Online-Marktplätze prägen den deutschen E-Commerce stärker denn je. Sie sind nicht nur der wichtigste Vertriebskanal, sondern treiben auch regulatorische Diskussionen an, die den digitalen Binnenmarkt nachhaltig verändern werden. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Kennzahlen, Prognosen und politischen Maßnahmen zusammen – alles basierend auf aktuellen Studien und offiziellen Quellen.
Wachstum der Online-Marktplätze im deutschen E-Commerce
Der HDE Online-Monitor 2026 zeigt, dass 57 % der Online-Verkäufe in Deutschland im Jahr 2022 über Online-Marktplätze generiert wurden. Das entspricht einem Anstieg von 5,9 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig haben 65 % der Deutschen bereits im Ausland bestellt, wobei ein erheblicher Teil (49 % dieser Auslandskäufe) nach China ging.
„Die hohe Dynamik im Bereich der Online-Marktplätze macht deutlich, wie wichtig es ist, dass es einen fairen Wettbewerb unter allen Anbietern gibt“, erklärt Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer. Er betont, dass die Politik stärker eingreifen müsse, um Transparenz und Fairness sicherzustellen.
- 57 % der Online-Umsätze stammen aus Marktplätzen (2022, Quelle S2).
- +5,9 % Wachstum YoY.
- 65 % der Deutschen haben bereits im Ausland bestellt.
- Umsatz aus ausländischen Online-Anbietern: fast 11 Mrd. € (2023, Quelle S1).
Prognostizierter Gesamtumsatz bis 2026
Laut einer Studie des EHI Retail Institute wird der gesamte E-Commerce-Umsatz in Deutschland bis 2026 auf 118 Mrd. € steigen – das entspricht einem Wachstum von 14 % gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltende Relevanz von Online-Marktplätzen, die bereits jetzt mehr als die Hälfte des Online-Umsatzes ausmachen.
- E-Commerce-Umsatz 2026: 118 Mrd. € (Prognose, EHI, 2023).
- Wachstumsrate: +14 % bis 2026.
- Marktplatzanteil bleibt bei rund 57 %.
Die Zahlen verdeutlichen, dass die Plattformökonomie nicht nur ein Trend, sondern ein zentraler Wachstumsmotor für den deutschen Einzelhandel ist.
Einfluss ausländischer Anbieter auf den deutschen Markt
Ausländische Online-Anbieter, insbesondere aus Asien, tragen erheblich zum Umsatz bei. Der Gesamtumsatz aus ausländischen Anbietern beträgt fast 11 Mrd. € (2023). Davon entfallen etwa 4,7 Mrd. € auf die beiden Plattformen Temu und Shein.
- Gesamtumsatz ausländischer Anbieter: 11 Mrd. € (2023, Quelle S1).
- Beitrag von Temu und Shein: ca. 4,7 Mrd. €.
- 49 % der Auslandskäufe erfolgen in China.
Diese Zahlen zeigen, dass internationale Konkurrenz nicht nur die Angebotsvielfalt erhöht, sondern auch neue Herausforderungen für die Marktregulierung mit sich bringt.
Politische Maßnahmen und Regulierung im digitalen Binnenmarkt
Die fortschreitende Globalisierung des E-Commerce hat die Europäische Union dazu veranlasst, neue Vorschriften für den digitalen Binnenmarkt zu erarbeiten. Ziel ist es, Transparenz und Fairness auf Online-Marktplätzen zu stärken. Die Regelungen betreffen unter anderem:
- Verpflichtende Offenlegung von Ranking- und Preisalgorithmen.
- Gleichbehandlung aller Anbieter hinsichtlich Sichtbarkeit und Zugangsbedingungen.
- Stärkere Durchsetzung von Verbraucherrechten bei grenzüberschreitenden Käufen.
„Es brauche konsequente und spürbare Strafen, aber auch klar kontrollierbare Regelungen, damit jeder Beteiligte davon ausgehen muss, dass er auch erwischt wird“, fordert Stephan Tromp. Die neuen EU-Vorschriften sollen genau diese Anforderungen adressieren.
Risiken einer Überregulierung
Während strengere Regelungen die Fairness erhöhen, besteht das Risiko, die Innovationskraft des E-Commerce zu bremsen. Eine zu starre Regulierung könnte insbesondere kleinere Plattformen und Start-ups benachteiligen.
- Verlust von Flexibilität bei schnellen Marktveränderungen.
- Erhöhte Kosten für Compliance, die insbesondere kleine Anbieter stark belasten.
- Gefahr, dass innovative Geschäftsmodelle nicht mehr umgesetzt werden können.
Ein ausgewogenes regulatorisches Umfeld ist daher entscheidend, um sowohl Wettbewerbsgerechtigkeit als auch Innovationspotenzial zu sichern.
Schnellüberblick:
Wie viel Umsatz machen Online-Marktplätze in Deutschland aus?
Online-Marktplätze generieren rund 57 % des Online-Umsatzes in Deutschland, was einem Anstieg von 5,9 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Welchen Einfluss haben ausländische Anbieter?
Der Umsatz aus ausländischen Online-Anbietern beträgt fast 11 Mrd. €, wobei Temu und Shein zusammen etwa 4,7 Mrd. € zum Gesamtvolumen beitragen.

