Chinesische Online-Marktplätze Temu und Shein erobern den deutschen E-Commerce-Markt in einem Tempo, das etablierte europäische Akteure vor erhebliche Herausforderungen stellt. Während das gesamte Online-Handelsvolumen in der EU weiter wächst, übertrifft das Wachstum der chinesischen Plattformen das des gesamten Marktes bei weitem – ein Trend, der nicht nur die Preisgestaltung, sondern auch Zoll- und Importregelungen grundlegend beeinflusst.

Allgemeines Wachstum des E-Commerce in der EU

Der E-Commerce in der Europäischen Union verzeichnete 2022 einen signifikanten Anstieg von 12,5 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser Anstieg wurde im E-Commerce-Wachstumsbericht 2022 der Eurostat dokumentiert. Der Aufwärtstrend setzt sich fort: Im Jahr 2025 wuchs der deutsche Online-Handel um 3,2 % und für 2026 wird ein Wachstum von 3,8 % prognostiziert.

  • 2022: +12,5 % (Eurostat)
  • 2025: +3,2 % (Deutschland)
  • 2026 (Prognose): +3,8 %

Dieses allgemeine Wachstum schafft ein Umfeld, in dem neue Akteure wie Temu und Shein besonders stark profitieren können.

Rasantes Wachstum chinesischer Plattformen

Temu und Shein wachsen deutlich schneller als der gesamte E-Commerce-Markt. Im Jahr 2025 erreichte der Umsatz der beiden Plattformen zusammen 3,7 Milliarden Euro – ein Plus von 27,2 % gegenüber dem Vorjahr, während das gesamte Marktsegment der Marktplätze langsamer wuchs.

Der tägliche Paketfluss verdeutlicht die Marktdurchdringung: Laut Handelsverband Deutschland werden täglich mindestens 460.000 Pakete von Temu und Shein nach Deutschland geliefert; EU-weit belaufen sich die täglichen Lieferungen auf rund 12 Millionen Pakete.

„Laut Handelsverband Deutschland liefern Temu und Shein mindestens 460.000 Pakete täglich nach Deutschland.“

Jede 15. Online-Bestellung in Deutschland stammt von einer der großen Plattformen aus Asien, und von den 2,6 Milliarden Euro Wachstum des gesamten E-Commerce-Umsatzes 2025 entfallen rund 30 % auf die chinesischen Anbieter.

Wirtschaftliche Auswirkungen in Deutschland

Die ökonomischen Folgen für die deutsche Volkswirtschaft sind gravierend. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) beziffert den jährlichen Schaden auf 2,4 Milliarden Euro. Zusätzlich entstehen:

  • Verlust von 40.000 Arbeitsplätzen
  • Entgangene Steuereinnahmen von 429 Millionen Euro
  • Umsatz der chinesischen Plattformen: 3,7 Milliarden Euro (2025)

Diese Zahlen zeigen, dass die Konkurrenz nicht nur ein Marktphänomen, sondern ein strukturelles Risiko für heimische Unternehmen und die Beschäftigung darstellt.

EU-Zollregelungen ab 2026

Als Reaktion auf die Preisunterbietung aus Fernost plant die Europäische Union die Abschaffung der Zollfreigrenze für Kleinsendungen unter 150 Euro. Ab dem 1. Juli 2026 wird ein Pauschalzoll von drei Euro pro Paket erhoben. Die neue Regelung wird über die EU-Daten-Plattform verwaltet, die voraussichtlich 2028 in Betrieb geht.

Studien gehen davon aus, dass die Einführung des Pauschalzolls zu einer Preissteigerung von bis zu 10 % bei importierten Waren führen kann. Dies könnte die Kaufentscheidung der Verbraucher beeinflussen und das Wachstum von Billigimporten bremsen.

„Der neue Pauschal-Zoll von drei Euro wird für Pakete aus Drittländern gelten und soll die durch die EU-Daten-Plattform zentrale Zollabwicklung unterstützen, die 2028 in Betrieb gehen soll.“

Strategische Reaktionen der Plattformen

Statt den europäischen Markt zu verlassen, passen sich Temu und Shein aktiv an die veränderten Rahmenbedingungen an:

  • Temu etabliert Third-Party-Fulfillment-Center in mehreren europäischen Ländern (Deutschland – DHL, Frankreich – La Poste, Spanien – Correos, Italien – Poste Italiane, Niederlande, Österreich, Großbritannien) und strebt an, bis zu 80 % aller Bestellungen aus lokalen Lagern zu bedienen.
  • Durch die lokalen Lager können Lieferzeiten von wenigen Tagen erreicht werden – ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber den zwei-bis-drei-Wochen-Lieferzeiten aus China.
  • Shein ist bereits der viertgrößte Bekleidungshändler in Deutschland und erweitert sein Angebot kontinuierlich, um den lokalen Konsumenten noch stärker zu binden.

Die Strategien zeigen, dass die Plattformen nicht nur auf Preisdumping setzen, sondern ihr Geschäftsmodell an die europäischen Marktbedingungen anpassen.

Risiken von übermäßiger Regulierung

Ein übermäßiger Regulierungsdruck könnte jedoch die Innovationskraft europäischer Start-Ups beeinträchtigen. Ein zu starkes Eingreifen könnte die Preisstrukturen europäischer Unternehmen benachteiligen und deren Wachstumspotenzial einschränken.

  • Regulierung könnte Innovation behindern.
  • Europäische Start-Ups könnten im internationalen Wettbewerb benachteiligt werden.

Schnellüberblick:

Wie viele Pakete liefern Temu und Shein täglich nach Deutschland?

Laut Handelsverband Deutschland werden täglich mindestens 460.000 Pakete von den beiden Plattformen nach Deutschland geliefert.

Wie wird der neue EU-Zoll ab 2026 verwaltet?

Der Pauschalzoll von drei Euro pro Paket wird über die zentrale EU-Daten-Plattform abgewickelt, die voraussichtlich im Jahr 2028 in Betrieb geht.

Quellen

Von Anna Weber

Anna ist Spezialistin für digitales Marketing und Markenaufbau im Online-Bereich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Social Media Strategien, Content-Marketing und Influencer-Kooperationen. Ihre Beiträge helfen Unternehmen dabei, ihre Zielgruppe besser zu verstehen und nachhaltig zu wachsen.