Im September 2026 zeigte sich der deutsche Einzelhandel mit einem deutlichen Rückgang – sowohl im stationären Handel als auch im Online-Segment. Gleichzeitig wiesen die Jahreszahlen ein robustes Plus für den E-Commerce aus. Hinter den Zahlen steckt jedoch eine methodische Stichprobenumstellung, die die Vergleichbarkeit der Monatswerte beeinflusst, sowie ein anhaltender Kaufkraftdruck durch Energie- und Kraftstoffpreise. Der folgende Artikel fasst die wichtigsten Kennzahlen, erklärt die Ursachen des September-Einbruchs und gibt einen Ausblick auf die Konsumstimmung im vierten Quartal.
Umsatzentwicklung im September 2026
Nach den vorläufigen, kalender- und saisonbereinigten Daten des Statistischen Bundesamts sank der Gesamtumsatz im Einzelhandel gegenüber August real um 2,0 % (nominal -1,5 %). Der Internet- und Versandhandel verlor im gleichen Zeitraum real 2,2 % und nominal ebenfalls rund 2,0 %. Trotz des schwachen Monats zeigte der Online-Handel im Jahresvergleich ein starkes Plus von real 4,4 %, wobei die nominale Entwicklung sogar +5,7 % betrug.
Im Jahresvergleich verlor der gesamte Einzelhandel real 2,3 %, während der Online-Handel hingegen um 4,4 % wuchs. Diese Divergenz verdeutlicht die strukturelle Verschiebung hin zum digitalen Vertrieb.
- Einzelhandelsumsatz Gesamtmarkt, Vormonatsvergleich (real): -2,0 %
- Einzelhandelsumsatz Gesamtmarkt, Vorjahresvergleich (nominal): +1,2 %
- Internet- und Versandhandel, Vorjahresvergleich (nominal): +5,7 %
Einfluss der Stichprobenrevision
Zum Berichtsmonat September 2026 wurde die Erfassung der meldepflichtigen rechtlichen Einheiten im Einzelhandel durch eine neue Stichprobe ersetzt. Diese Änderung wirkt rückwirkend ab Januar 2026 ergebniswirksam und kann zu signifikanten Revisionen der bisherigen Monatszahlen führen. Händler sollten daher Vorjahresvergleiche als strategische Basis nutzen, da kurzfristige Monatsraten noch nachjustiert werden können.
Die Revision wirkt sich bereits auf den August aus: Nach Anpassung stieg der Umsatz gegenüber Juli real um 1,2 % (nominal +1,6 %). Vorherige vorläufige Werte lagen bei 1,3 % bzw. 1,7 %.
- Stichprobenwechsel ab Januar 2026
- Revisionen möglich für alle Monatsdaten 2026
Nicht-Lebensmittel belasten den Gesamtmarkt
Der Rückgang im Einzelhandel wird vor allem von den Nicht-Lebensmittel-Kategorien getrieben. Im September fiel ihr Umsatz real um 2,4 % gegenüber August (nominal -1,9 %). Im Vorjahresvergleich sank der reale Umsatz um 2,8 %, während nominal ein Plus von 1,7 % verzeichnet wurde. Die Differenz zwischen realer und nominaler Entwicklung macht deutlich, dass Preissteigerungen die Kaufkraft stark belasten.
Auch der Lebensmitteleinzelhandel blieb rückläufig (real -1,4 %, nominal -1,1 %). Diese Trends spiegeln die wachsende Sparneigung der Verbraucher wider, die trotz nominaler Zuwächse im Online-Handel primär preisgetrieben ist.
- Umsatzentwicklung Nicht-Lebensmittel, Vormonatsvergleich (real): -2,4 %
- Umsatzentwicklung Nicht-Lebensmittel, Vorjahresvergleich (real): -2,8 %
- Lebensmittel, Vormonatsvergleich (real): -1,4 %
Die gedämpfte Konsumlaune im September spiegelt vor allem veränderte Ausgabenprioritäten der Privathaushalte wider. Die drastische Spreizung an den Tankstellen – nominal stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 16,2 %”, während sie real um 9,3 % sanken – illustriert den massiven Kaufkraftentzug durch Energiekosten (Destatis 2026). Bei einer vorläufigen Inflationsrate von 2,8 % im Oktober 2026 (Destatis 2026) verbleibt Verbrauchern spürbar weniger Spielraum für diskretionäre Ausgaben im Nicht-Lebensmittel- und Online-Bereich. Volkswirte warnen daher davor, dass der private Konsum das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal kaum stützen dürfte.
Revidierte Daten und neue Stichprobe
Die Einführung der neuen Stichprobe für rechtliche Einheiten ab September 2026 bedeutet, dass die bisherigen Monatsvergleiche noch stark korrigierbar sind. Händler sollten daher vorerst vorsichtig mit Trendinterpretationen umgehen und vor allem Jahres- und Vorjahresvergleiche in ihre strategische Planung einbeziehen.
- Stichprobe wirksam seit September 2026
- Rückwirkend ab Januar 2026
- Revisionen können vorherige Monatswerte signifikant verändern
Preis- und Kaufkraftdruck an Tankstellen
Die Tankstellenumsätze verdeutlichen die starke Entkopplung von nominalen und realen Entwicklungen: Im September 2026 lag der nominale Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bei +16,2 %, während der reale Wert nach Preisbereinigung um -9,3 % sank. Diese Divergenz resultiert aus den hohen Kraftstoffpreisen, die das verfügbare Einkommen der Haushalte reduzieren und das Budget für Konsumgüter schrumpfen lassen.
Die vorläufige Verbraucherpreisinflation von +2,8 % im Oktober 2026 verstärkt diesen Effekt und erklärt, warum nominale Zuwächse im Online-Handel primär preisgetrieben sind, das reale Warenvolumen jedoch stagniert.
- Tankstellen, nominaler Vorjahresvergleich: +16,2 %
- Tankstellen, realer Vorjahresvergleich (preisbereinigt): -9,3 %
- Verbraucherpreisinflation Oktober 2026: +2,8 %
Ausblick: HDE-Konsumbarometer November 2026
Das HDE-Konsumbarometer liefert einen ersten Blick auf die Konsumstimmung im vierten Quartal. Der Indexwert erreichte im November 2026 94,64 Punkte (Basis Januar 2017 = 100) und lag damit leicht über dem Oktober-Wert von 93,51 Punkten, jedoch deutlich unter dem Vorjahresniveau.
Der Teilindex “Anschaffungsneigung” stieg auf 86,40 Punkte, gegenüber 84,15 Punkten im Vormonat, bleibt aber weiterhin unter dem Niveau von November 2025. Die hohe Sparneigung der Privathaushalte dämpft jedoch die Kaufkraft, sodass die Erwartung eines starken Jahresend-Booms mit Vorsicht zu genießen ist.
“Die Konsumlaune hellt sich im November leicht auf, bleibt aber spürbar unter dem Vorjahresniveau. Während die Anschaffungsneigung vor dem Weihnachtsgeschäft anzieht, bleibt die Sparneigung hoch und bremst kurzfristige Nachfragesprünge”, so ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE).
- HDE-Konsumbarometer Indexwert November 2026: 94,64 Punkte
- Teilindex Anschaffungsneigung: 86,40 Punkte
- Vergleich: Oktober 2026 = 93,51 Punkte
Schnellüberblick:
Warum bricht der Monatsumsatz im September ein, obwohl der E-Commerce im Jahresvergleich wächst?
“Der September litt unter vorgezogenen Ausgaben des starken Augusts (+1,2 % real im Gesamtmarkt) sowie unter gestiegenen Energiekosten, die Konsumbudgets einschnüren.” Das Jahresplus von real 4,4 % verdeutlicht jedoch eine anhaltende strukturelle Kanalverschiebung zugunsten des digitalen Handels.
Welche Konsequenzen hat die Destatis-Stichprobenumstellung für Händler?
“Die seit September 2026 aktive Stichprobe erfasst die Unternehmenslandschaft präziser, führt jedoch rückwirkend ab Januar 2026 zu Revisionen der Monatsdaten. Händler sollten Vorjahresvergleiche zur strategischen Beurteilung heranziehen, da kurzfristige Monatsraten vorerst nachjustiert werden können.”
Quellen
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/11/PD2638345212.html
- https://einzelhandel.de/konsumbarometer
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/10/PD26382p001.html

