Am 1. November 2026 übernimmt die Münchner Social-Media-Agentur Mawave das operative Agenturgeschäft der Hamburger Agentur WeCreate. Der Deal ist ein deutliches Zeichen für die Konsolidierung im deutschen Digital- und Social-Media-Agenturmarkt: Während klassische Agenturen unter Budgetkürzungen leiden, entstehen durch die Fusion spezialisierter Performance- und Creator-Marketing-Anbieter Full-Funnel-Einheiten mit kritischer Größe.
Hintergrund der Übernahme
WeCreate, 2020 gegründet und im Hamburger Schanzenviertel beheimatet, hat sich in den letzten Jahren als Anbieter kreativer Social-Media-Kampagnen und Creator-Marketing etabliert. Mawave, 2018 von Jason Modemann und Patrick Brüch gegründet, hat sich von einem reinen Social-Media-Dienstleister zu einem Full-Service-Partner entwickelt, der Strategie, Kreation, Media-Planung und Erfolgsmessung aus einer Hand anbietet. Der Zukauf des operativen Geschäfts von WeCreate verbindet diese beiden Kompetenzen und erweitert Mawave um ein viertes Standort-Depot in Hamburg.
Finanzielle Dimension und Geschäftsanteile von WeCreate
Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete WeCreate einen Gesamtumsatz von über 13 Millionen Euro, was einem Wachstum von rund 30 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Etwa die Hälfte dieses Umsatzes – rund 6,5 Millionen Euro – entfiel auf das operative Agenturgeschäft, das nun an Mawave übergeht.
Der Deal ist demnach kein Notverkauf, sondern die Übernahme einer profitabel wachsenden Einheit. Die Finanzkennzahlen belegen, dass WeCreate trotz eines insgesamt rückläufigen Agenturmarktes ein starkes Wachstum verzeichnen konnte.
Struktur des verbleibenden WeCreate-Kerngeschäfts
WeCreate trennt das Dienstleistungsgeschäft klar vom Talent-Portfolio. Das verbleibende Unternehmen konzentriert sich ausschließlich auf das Artist Management von reichweitenstarken Creatorn wie Herr Anwalt, Nadine Breaty und Malte Zierden sowie auf die Event-Plattform “9:16 Awards”. Die Gründer Adil Sbai und Anna Sent führen das Talent-Management eigenständig weiter und Sbai berät Mawave künftig als Beirat.
- Standort: Hamburg, 3 Etagen im Schanzenviertel (Übergabe an Mawave)
- Business-Fokus: Artist Management, Event-Formate
Wachstum gegen den Trend im Agenturmarkt
Der deutsche Agenturmarkt befindet sich in einer Flaute. Laut dem GWA-Frühjahrsmonitor 2026 sanken die Umsätze deutscher Kommunikationsagenturen im Jahr 2025 im Schnitt um 2,7 %. Das BVDW-Internetagentur-Ranking 2026 dokumentierte einen Rückgang der Festangestellten um 2,88 %. Trotz dieses Umfelds steigt Mawave durch die Übernahme auf über 200 Mitarbeitende an vier Standorten (München, Berlin, Hamburg, Luzern).
“Wir gehen bewusst den anderen Weg und investieren, weil wir überzeugt sind: Social ist die Disziplin, mit der Marken langfristig erfolgreich sein können.” – Jason Modemann, Mitgründer und Geschäftsführer von Mawave
Die Marktzahlen zeigen, dass Auftraggeber vermehrt nach ganzheitlichen Partnern suchen, die Media-Einkauf, datengetriebene Performance und organischen Creator-Content nahtlos verbinden.
Integration und strategische Vorteile
Durch die Integration des WeCreate-Teams von rund 30 Mitarbeitenden sowie dessen Kundenstamm aus Food, FMCG und Lifestyle kann Mawave sein Leistungsportfolio erweitern:
- Stärkung der kreativen Social-Media-Kampagnen
- Erweiterung im Creator-Marketing
- Vertiefung der Paid-Media-Kompetenz
- Erhöhung der geografischen Präsenz im deutschen Sprachraum
Die bisherigen WeCreate-Räumlichkeiten in Hamburg werden als vierte Dependance von Mawave genutzt. Magnus Folten übernimmt weiterhin die kreative und strategische Betreuung der ehemaligen WeCreate-Kunden, während Inga Kruse-Höhne die Teamführung als Client Unit Lead übernimmt.
Risiken und Herausforderungen bei der Integration
Die Fusion zweier bislang konkurrierender Agenturkulturen birgt potenzielle Reibungsverluste. WeCreate war stark kreations- und creatorgetrieben, Mawave hingegen performance- und datengetrieben. Diese Unterschiede können zu:
- Mitarbeiterfluktuation
- Kundenabwanderung
- Interessenkonflikten im Talent-Einkauf, weil das verbleibende Artist-Management exklusiv bleibt und Mawave zugleich Kunden von WeCreate bedienen muss
Modemann betont jedoch, dass die enge Vor- und Zusammenarbeit beider Gründer bereits mehrere gemeinsame Projekte hervorgebracht habe, was als Basis für eine reibungslose Integration dient.
Schnellüberblick:
Wie viel Umsatz steuert WeCreate zum Mawave-Geschäft bei?
Im Jahr 2025 erwirtschaftete WeCreate über 13 Millionen Euro Gesamtumsatz. Rund die Hälfte davon – etwa 6,5 Millionen Euro – entfiel auf das operative Agenturgeschäft, das nun an Mawave übergeht.
Was passiert mit den exklusiven TikTok– und Social-Stars von WeCreate?
Das Artist Management bleibt unter der Führung von Adil Sbai und Anna Sent komplett eigenständig bei WeCreate. Mawave kauft nicht das Künstlermanagement, sondern die Agentursparte für Konzeption, Kampagnen und Paid Media.
Wie stellt sich Mawave geografisch nach dem Zukauf auf?
Mawave verfügt nun über vier Standorte im deutschsprachigen Raum: den Hauptsitz in München sowie Niederlassungen in Berlin, Hamburg (die übernommenen WeCreate-Räume) und Luzern.
Quellen
- https://www.wuv.de/themen/agenturen/warum-mawave-wecreate-uebernimmt
- https://www.gwa.de/presse/gwa-fruehjahrsmonitor-2026

