Die repräsentative Bitkom-Erhebung zum Digital-Gipfel 2026 zeigt ein klares Dilemma der europäischen Digitalwirtschaft. Während 96 % der befragten deutschen Unternehmen heimische KI-Anbieter bevorzugen, weigern sich 64 % von ihnen, für mehr Preis oder geringere Funktionen zu zahlen. Diese Spannung zwischen Wunsch nach digitaler Souveränität und harten Marktbedingungen prägt die aktuelle Debatte.
Methodischer Hintergrund und Vorjahreswerte der Bitkom-Erhebung
Die Studie basiert auf 603 telefonischen Interviews (CATI) mit IT- und Digitalentscheider*innen aus Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich von Kalenderwoche 28 bis 33 – also etwa Mitte Juli bis Mitte August 2026. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Präferenz für deutsche KI-Anbieter von 93 % auf 96 %.
- Stichprobengröße: 603 Unternehmen
- Erhebungszeitraum: Mitte Juli bis Mitte August 2026
- Steigerung der deutschen Anbieter-Präferenz: von 93 % (2025) auf 96 % (2026)
Herkunftspräferenz bei KI-Anbietern – Zahlen im Überblick
Die Umfrage liefert ein detailliertes Bild der Herkunftspräferenzen:
- 96 % bevorzugen KI-Anbieter aus Deutschland
- 87 % geben an, dass das Herkunftsland bei der KI-Auswahl wichtig ist
- USA: Präferenz gesunken von 51 % auf 41 %
- Frankreich: Präferenz gestiegen von 38 % auf 46 %
- China: Präferenz von 18 % auf 12 %
- 64 % der Unternehmen akzeptieren keine Aufpreise oder Leistungseinbußen für deutsche KI-Lösungen
USA verlieren, Frankreich gewinnt an Zuspruch
Der Wandel spiegelt nicht nur ein geopolitiisches Stimmungsbild wider, sondern auch konkrete Risikoeinschätzungen der Unternehmensführung.
Der spürbare Stimmungsumschwung zugunsten europäischer Alternativen ist kein Zufallsprodukt, sondern spiegelt wachsende Risikoabwägungen in den Führungsetagen wider. Eine flankierende Untersuchung des Digitalverbands Bitkom (Bitkom 2026) verdeutlicht das Ausmaß: Mittlerweile äußern 73 Prozent der Betriebe akute Sorge vor einer zu großen Abhängigkeit von US-Technologien – vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 38 Prozent. Im Falle eines abrupten Ausfalls ausländischer IT-Dienste beziffern deutsche Unternehmen ihre durchschnittliche Überlebensfähigkeit auf lediglich 16 Monate. Vor diesem Hintergrund gewinnt Frankreich mit etablierten Modellentwicklern wie Mistral AI rasant an Reputation als vertrauenswürdige, europarechtskonforme Alternative.
Struktureller Hintergrund: Hohe Importabhängigkeit und Versorgungsresilienz
Eine weitere Bitkom-Studie belegt, dass 94 % der deutschen Betriebe die Wirtschaft als stark abhängig von ausländischen IT-Importen einstufen. Ohne digitale Importe könnten Unternehmen im Schnitt nur 16 Monate überleben – ein leichter Anstieg gegenüber 14 Monaten im Vorjahr.
- Durchschnittliche Überlebensdauer bei komplettem Importstopp: 16 Monate (2026)
- Sorge vor US-Abhängigkeit: 73 % (2026) – Vorgängerwert 38 % (2024)
Politischer Rahmen – “KI-Nation 2030”
Auf dem Digital-Gipfel 2026 präsentierte die Bundesregierung die Strategie “KI-Nation 2030”. Kernziele sind:
- Steigerung privater KI-Investitionen um 300 % bis 2030 (bezogen auf das Basisjahr 2025)
- Ausbau von KI-Rechenzentrumskapazitäten um 300 % bis 2030
- Erhöhung des KI-Einsatzanteils im Mittelstand auf mindestens 55 % bis 2030 (Großunternehmen sollen 80 % erreichen)
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont: “Deutschland und Europa dürfen bei Künstlicher Intelligenz nicht nur Anwender bleiben. Wir benötigen ausreichende Rechenkapazitäten, Zugang zu Daten und eine innovationsfreundliche Regulierung.”
Gegenwart und Risiken – Diskrepanzen zwischen Wunsch und Markt
Trotz der hohen Präferenz für heimische KI gibt es wesentliche Hürden:
- Diskrepanz zwischen Präferenz und Marktrealität: Der erklärte Wunsch nach deutschen Anbietern spiegelt nicht den tatsächlichen Marktanteil wider; US-Hyperscaler dominieren weiterhin die Basisinfrastruktur.
- Fehlende wettbewerbsfähige Foundation Models und Recheninfrastruktur: Solange europäische Modelle bei Parametrisierung, Multimodalität und Skaleneffekten zurückbleiben, zwingt die Null-Toleranz für Leistungseinbußen (64 %) Unternehmen zum Einsatz ausländischer Tools.
- Regulatorische Hürden und Integrationskosten: Komplexe Freigabeprozesse, Schnittstellenprobleme in etablierten IT-Systemen und strenge Compliance-Vorgaben behindern die Einführung europäischer KI-Lösungen.
Schnellüberblick:
Warum liegt Frankreich bei der KI-Präferenz inzwischen vor den USA?
Frankreich profitiert von erfolgreichen europäischen Vorzeige-Start-ups wie Mistral AI und einer konsequenten nationalen Förderpolitik, die im deutschen Mittelstand als DSGVO-konforme und verlässliche Alternative wahrgenommen wird.
Wie wurde die Bitkom-Studie methodisch durchgeführt?
Bitkom Research befragte zwischen Juli und August 2026 repräsentativ 603 IT- und Digitalentscheider*innen in deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten telefonisch (CATI).
Was unternimmt die Bundespolitik gegen die Abhängigkeit?
Im Rahmen des Digital-Gipfels 2026 formulierte die Bundesregierung das Ziel, die heimischen KI-Rechenzentrumskapazitäten und privaten Investitionen bis 2030 um 300 % zu steigern, um die KI-Quote im Mittelstand auf 55 % zu erhöhen.
Quellen
- https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Digital-Gipfel-Unternehmen-KI-Deutschland
- https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Abhaengigkeit-Digitalimporte-Digital-Gipfel-2026
- https://www.de.digital/DIGITAL/Redaktion/DE/Meldungen/2026/digital-gipfel-ki-nation-2030.html

