Ein KI-Server-Rack mit blauem Licht steht in einer Fabrikhalle neben einem Industrieroboter und einer CNC-Fräsmaschine.

US-Unternehmen außerhalb des Big-Tech-Sektors stecken Milliarden in künstliche Intelligenz, doch die erhofften Produktivitätsgewinne bleiben bislang aus. Die Analyse von Torsten Slok, Chefökonom von Apollo Global Management, liefert eindeutige Zahlen: Während die sogenannten “Magnificent Seven” ihre Umsätze pro Beschäftigtem und Gewinnmargen stark ausbauen konnten, stagniert der Rest des S&P-500, bezeichnet als S&P 493, seit Jahren auf einem fast unveränderten Niveau.

Konkrete Divergenz zwischen S&P 493 und den Magnificent Seven

Die Zahlen hinter Sloks Diagnose verdeutlichen das Ausmaß dieser Entkoppelung: Während der inflationsbereinigte Umsatz je Beschäftigtem bei den sieben Tech-Riesen seit 2022 von rund 550.000 USD auf fast 780.000 USD im Jahr 2026 hochschnellte, verharrt die Kennzahl beim S&P 493 seit rund sieben Jahren bei etwa 525.000 USD. “Gewinnmargen bleiben flach, der Umsatz je Beschäftigtem ebenfalls.” Bei den operativen Margen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Magnificent Seven erreichen fast 30 % Nettogewinnmarge, während die übrigen 493 Unternehmen bei lediglich 10 % verharren.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

  • Umsatz pro Beschäftigtem (Magnificent Seven, 2026): ca. 780.000 USD
  • Umsatz pro Beschäftigtem (S&P 493, 2026): ca. 525.000 USD
  • Nettogewinnmarge (Magnificent Seven, 2026): ca. 30 %
  • Nettogewinnmarge (S&P 493, 2026): ca. 10 %

Für viele Unternehmen wandeln sich laufende Token-Kosten und Software-Abonnements daher von strategischen Wachstumstreibern zu margendrückenden Kostenstellen.

Extreme Konzentration der KI-Nutzungsausgaben

Die von Apollo herangezogenen Auswertungsdaten zeigen, dass der tatsächliche KI-Betriebsaufwand nicht breit gestreut, sondern fast vollständig von einer winzigen Gruppe von Tech- und VC-finanzierten Firmen getrieben wird. Im Jahr 2026 stammen 99,5 % der KI-Inferenz-Ausgaben (Kosten für die Ausführung von Modellen) aus den oberen 10 % der Unternehmen.

  • Anteilig an KI-Inferenz-Ausgaben: 99,5 % von den Top-10 % der Unternehmen (2026)

Dieser Befund erklärt den ökonomischen Grund für den fehlenden Makro-Effekt: Der Großteil der Unternehmen nutzt KI bisher nur oberflächlich oder experimentell und scheut die teuren Token-Kosten.

Wissenschaftliche Fundierung: Die makroökonomische Grenze von Generativer KI

Sloks Beobachtungen decken sich mit Modellen führender Ökonomen wie Daron Acemoglu (MIT). Die Prognosen besagen, dass Generativer KI die totale Faktorproduktivität (TFP) der US-Wirtschaft über ein Jahrzehnt um weniger als 0,55 % bis 0,71 % steigern wird. Noch weniger als 5 % aller beruflichen Aufgaben lassen sich kosteneffizient automatisieren.

  • Geschätzter 10-Jahres-Zuwachs der TFP durch KI (2024): < 0,55 % – 0,71 %
  • Anteil der Aufgaben, die kosteneffizient automatisiert werden können (2024): < 5 %
  • Prognostizierter kumulierter Beitrag von KI zum US-BIP-Wachstum (2024): 0,9 %

Solange Sprachmodelle komplexe, kontextabhängige Ermessensentscheidungen nicht verlässlich abbilden können, drohen teure Implementierungen ohne Ertrag für die Gewinn- und Verlustrechnung zu verpuffen.

Kritik und Gegenargumente zum Produktivitätseffekt

Gegner der Analyse führen zwei zentrale Argumente an:

Verzögerungseffekt historischer Basistechnologien (“Productivity Paradox”)

Historisch benötigen tiefgreifende Technologien wie die Elektrifizierung oder das Internet oft Jahre bis organisatorische Anpassungen sichtbar werden. Kritiker vermuten, dass KI-Effekte erst in einigen Jahren messbar sein könnten.

Renditen verbleiben bei Konsumenten statt bei Aktionären

Effizienzgewinne könnten über fallende Preise direkt an die Kunden weitergegeben werden – die Konsumentenrente steigt, während Margen und Umsätze der Unternehmen flach bleiben.

Schnellüberblick:

Was versteht Torsten Slok unter dem “S&P 493”?

Der S&P 493 umfasst alle Unternehmen des marktbreiten US-Index S&P 500 mit Ausnahme der sieben dominierenden Tech-Schwergewichte (Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla).

Warum betrachten viele Konzerne KI-Ausgaben inzwischen als Kostenfalle?

Weil laufende Gebühren für Rechenleistung und API-Token die operativen Budgets belasten, ohne dass sich daraus messbar höhere Erlöse oder Einsparungen in der Belegschaft ergeben.

Wie bewerten führende Wirtschaftsforscher das Produktivitätspotenzial von GenAI?

Studien, etwa von MIT-Ökonom Daron Acemoglu, beziffern den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs auf unter ein Prozent über zehn Jahre, da nur ein Bruchteil geschäftlicher Aufgaben wirtschaftlich automatisierbar ist.

Quellen

Von Melanie Brandt

Melanie ist Content- und SEO-Spezialistin im E-Commerce. Sie zeigt, wie durch gezielte Inhalte und Keyword-Strategien nachhaltiger organischer Traffic aufgebaut werden kann.