Die RegioData-Marktanalyse 2026 zeigt, dass der Online-Handel in Österreich weiter an Bedeutung gewinnt – jedoch sehr ungleich verteilt. Während digitale Kategorien wie Elektronik bereits dominieren, bleibt der Lebensmittel-Onlineanteil mit lediglich 2 % stark hinter den Erwartungen zurück. Diese Kluft bestimmt Investitionsentscheidungen, die Stadtentwicklung und die Debatte um faire Wettbewerbsbedingungen mit internationalen Plattformen.
Online-Anteil im österreichischen Einzelhandel: Gesamtüberblick 2026
Der Anteil der online getätigten Ausgaben an den einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben beträgt 16,4 % (2026). Damit liegt Österreich leicht über dem EU-Durchschnitt und fast auf Augenhöhe mit Deutschland (16,8 %). Das bedeutet ein jährliches Marktvolumen von rund 12,4 Milliarden Euro, wobei pro Kopf durchschnittlich 1 400 Euro online ausgegeben werden. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Online-Anteil von 14,9 % (2024) auf das aktuelle Niveau.
Elektronik als Vorreiter im E-Commerce
Mit einem Online-Anteil von 43 % führt die Elektronikkategorie den österreichischen E-Commerce an. Dieser hohe Anteil spiegelt die bereits digitale Verlagerung von nahezu jedem zweiten Euro wider, der für Elektronik ausgegeben wird.
“Nearly every second euro spent on electronics is already spent online” – RegioData Research, 2026
Weitere stark digital geprägte Warengruppen sind:
- Schuhe: rund 36 %
- Persönlicher Bedarf: etwa 33 %
- Bekleidung, Bücher & Schreibwaren: jeweils ca. 31 %
- Spielwaren & Hobbyprodukte: 29 %
- Sport- und Freizeitartikel: 25 %
Lebensmittel bleiben stationär geprägt
Dass der Lebensmittelbereich mit zwei Prozent Online-Anteil weiterhin eine Ausnahmestellung einnimmt, ist primär auf die außergewöhnliche Struktur des österreichischen Marktes zurückzuführen. Österreich weist im europäischen Vergleich eine der höchsten Dichten an Supermarktfilialen pro Kopf auf (Handelsverband Österreich, 2026). Kurze Einkaufswege und dichte Versorgungsnetze durch Ketten wie Spar, Billa und Hofer senken die Hürde für den Einkauf vor Ort drastisch. Zugleich machen Mindestbestellwerte, Pfandregelungen und Liefergebühren den digitalen Wocheneinkauf für viele Haushalte ökonomisch unattraktiv, weshalb der klassische Supermarktbesuch das Einkaufsverhalten unverändert dominiert.
Marktplätze treiben die Restkategorie
Die Sammelkategorie “Sonstiges” hat ihren Online-Anteil von 6,7 % im Jahr 2019 auf 19,2 % (2026) fast verdreifacht. RegioData führt dies auf die breiteren Sortimente internationaler Online-Marktplätze wie Amazon, Temu und eBay zurück, die ein vielfältigeres Angebot ermöglichen und das Kaufverhalten in bislang weniger digital geprägten Warengruppen verändern.
Strukturelle Ursachen für den niedrigen Lebensmittel-Onlineanteil
Die Analyse liefert Hintergründe, warum die Food-Kategorie lediglich 2 % Online-Umsatzanteil erreicht:
- Sehr dichtes Filialnetz: ca. 60 m² Verkaufsfläche pro 1.000 Einwohner.
- Logistische Hürden: Kühlketten, Mindestbestellwerte und Lieferzeitfenster.
- Zusätzliche Kosten: Liefergebühren und Pfandregelungen.
Datapoint: Online-Anteil Lebensmitteleinzelhandel Österreich – 2,0 % (2026, RegioData).
Kaufkraftabfluss ins Ausland und Retourenbelastung
Die zunehmende Dominanz internationaler Plattformen führt zu einem erheblichen Kapitalabfluss: 51 % der Distanzhandelsausgaben fließen an Händler außerhalb Österreichs (2025). Gleichzeitig ist die Retourenquote mit 44 % stark gestiegen, was die Margen heimischer Händler zusätzlich belastet.
“Mehr als die Hälfte der E-Commerce-Umsätze der Österreicher fließt an Händler außerhalb des Landes.” – KMU Forschung Austria, 2025
Datapoints:
- Umsatzanteil ausländischer Online-Anbieter: 51 % (2025).
- Durchschnittliche Retourenquote: 44 % (2025).
Die Situation erklärt die verstärkte Forderung nach EU-weiten Reformen, etwa die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze und strengere Prüfungen von Plattform-Importen.
Europäische Einordnung im Nordwest-Südost-Gefälle
Im europäischen Vergleich liegt Österreich mit 16,4 % leicht über dem EU-Schnitt, liegt jedoch deutlich hinter Spitzenreitern wie dem Vereinigten Königreich (29,3 %).
- Online-Anteil Österreich: 16,4 % (2026).
- Online-Anteil Deutschland: 16,8 % (2026).
- Online-Anteil Vereinigtes Königreich: 29,3 % (2026).
Diese Werte konkretisieren die zuvor genannte Spanne von 6 % bis 29 % innerhalb Europas.
Methodische Abweichungen zwischen Studien
RegioData berechnet den Online-Anteil an den “einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben” auf Basis realer Händlerumsätze (16,4 %). Andere Erhebungen, etwa Befragungsstudien des Handelsverbands oder WKÖ-Berechnungen, erfassen häufig Distanzhandelsausgaben und das gesamte B2C-Volumen. Ein vermischtes Vorgehen kann zu Fehlinterpretationen führen.
Risiken für den stationären Fachhandel
Das starke Wachstum der Kategorien Elektronik und “Sonstiges” zieht Konsum von stationären Fachzentren zu Online-Plattformen. Innenstädte und periphere Fachmarktzentren geraten dadurch unter zunehmenden Konsolidierungsdruck.
Schnellüberblick:
Warum bestellen Österreicher so wenige Lebensmittel im Internet?
Hauptgründe sind die überdurchschnittlich dichte Supermarktinfrastruktur in Österreich sowie logistische Hürden: Kühlketten, Mindestbestellwerte und Lieferzeitfenster mindern den Komfortvorteil des E-Commerce bei Gütern des täglichen Bedarfs.
Wie viel Geld bleibt tatsächlich bei österreichischen Online-Händlern?
Nur knapp die Hälfte. Laut Erhebungen des Handelsverbands Österreich und der KMU Forschung Austria fließen rund 51 % der Distanzhandelsausgaben an Händler im Ausland, vor allem nach Deutschland und über asiatische Marktplätze.
Quellen
- https://www.regiodata.eu/en/online-sales-reach-new-heights-nearly-every-second-euro-spent-on-electronics-is-already-spent-online-and-every-third-euro-on-clothing-and-footwear/
- https://www.kmuforschung.ac.at/studien/e-commerce-in-oesterreich-2025-distanzhandel-bleibt-stabil/

