Der Amazon-KMU-Report 2026 belegt, dass deutsche Mittelständler im Jahr 2025 mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz über die Plattform erzielen. Diese Zahl verdeutlicht, wie stark das deutsche Handelswesen mit Amazon vernetzt ist – gleichzeitig zeigen sich Anzeichen einer Marktsättigung bei Exporten und Händlerzahlen, die neue strukturelle und wettbewerbsrelevante Fragen aufwerfen.
Gesamtumsatz und Bedeutung von Amazon im deutschen Onlinehandel
Im Jahr 2025 belief sich das gesamte Handelsvolumen von Amazon Deutschland (inkl. Marketplace) auf 69,1 Milliarden Euro. Davon wurden 57 % des gesamten deutschen Onlinehandels über Marktplätze abgewickelt, wobei Amazon allein 63 % dieser Umsätze beeinflusste. Der Plattform-Konzern plant bis 2027 Investitionen in Höhe von 16 Milliarden Euro, um Services zu verbessern und weiteres Wachstum zu unterstützen.
- Gesamtumsatz deutscher KMU über Amazon: >20 Mrd. € (2025)
- Exportumsatz: 5,9 Mrd. € (2025)
- Aktive deutsche Händler: >40.000 (gleiches Niveau wie 2021)
- Verkaufte Artikel: 750 Mio. Stück pro Jahr
- Investitionen AWS-Region Europa (Frankfurt): 4,8 Mrd. € (2027)
Wie Amazon selbst feststellt: “Amazon beeinflusse 63 Prozent der Onlinehandelsumsätze in Deutschland und wirke auch auf Ausgaben im stationären Handel.”
Exportdynamik: Frankreich bleibt wichtigster Abnehmermarkt
Der Exportanteil deutscher KMU über Amazon stagnierte 2025 leicht, wuchs jedoch in ausgewählten Märkten weiter. Frankreich blieb mit 1,4 Milliarden Euro Exportumsatz der größte Abnehmer und verzeichnete ein Wachstum von 8 % gegenüber dem Vorjahr. Italien und Österreich zeigten zwar kleinere absolute Umsätze, wuchsen jedoch prozentual stärker. Im Gegensatz dazu fiel das Umsatzwachstum in den USA um 2 %.
- Export nach Frankreich: 1,4 Mrd. € (+8 % 2025)
- Export nach USA: -2 % (2025 im Vergleich zu 2024)
- Weitere Exportmärkte: Italien, Österreich, Spanien
Der Bericht unterstreicht: “Die wichtigsten Exportmärkte waren Frankreich, Österreich, Italien, die USA und Spanien. Damit bleibt das Auslandsgeschäft ein relevanter Umsatztreiber, verliert aber an Dynamik.”
Händlerbasis: Stagnation und mögliche Ursachen
Die Zahl der aktiven deutschen Mittelständler blieb 2025 bei über 40.000 – identisch zu 2021 und deutlich unter dem Höchstwert von rund 47.000 im Vorjahr. Experten sehen darin einerseits eine Marktreifung, andererseits mögliche Barrieren für neue Händler.
Ein möglicher Grund für die Stagnation liegt in den wachsenden Anforderungen an Sichtbarkeit und Preisgestaltung, die zunehmend von Algorithmen gesteuert werden. Zudem könnten veränderte Definitionen und Messmethoden bei Amazon die Statistik beeinflussen.
KI und Algorithmen: Neue Spielregeln für KMU
Im Jahr 2025 werden 61 % aller Suchanfragen von KI-gesteuerten Algorithmen beeinflusst. Gleichzeitig nutzen nur 29 % der KMU das von Amazon angebotene Dynamic-Pricing, wobei diese Funktion noch nur teilweise für kleinere Händler verfügbar ist.
- KI-gesteuerte Suchergebnisse: 61 % (2025)
- Dynamic-Pricing bei KMU: 29 % (2025)
Die zunehmende Automatisierung verändert die Marktstruktur: KMU, die weniger Ressourcen für Datenoptimierung besitzen, geraten stärker unter Wettbewerbsdruck, während große Marken von den Algorithmen profitieren.
Produktportfoliostabilität trotz schwächerem Händlerwachstum
Eine interne Analyse von 2026 zeigt, dass 84 % der von KMU angebotenen Produktkategorien seit 2021 stabil geblieben sind. Nur im Bereich Elektro und Fashion kam es zu kleineren Umverteilungen. Dieses Ergebnis spricht für eine gewisse Resilienz des deutschen Mittelstands im E-Commerce.
- Stabilität der Produktkategorien: 84 % (2025)
- Verkaufte Produkte pro Minute: ca. 1.400
Investitionen und zukünftige Perspektiven
Amazon plant für 2027 mehr als 16 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren, darunter 4,8 Milliarden Euro für die AWS-Region Frankfurt. Während diese Investitionen die Infrastruktur und KI-Forschung stärken, profitieren KMU nur indirekt. Der Margin-Druck könnte durch steigende Kosten für KI-gestützte Platzierungen weiter zunehmen.
Gleichzeitig könnten alternative Plattformen wie Zalando, Etsy oder Globus.de für deutsche KMU attraktiv werden, um die Abhängigkeit von Amazon zu reduzieren.
Schnellüberblick:
Warum stagniert die Zahl der aktiven Händler bei Amazon?
Die aktuelle Zahl von “mehr als 40.000” Händlern entspricht dem Niveau von 2021. Dies könnte eine Markberuhigung oder höhere Eintrittsbarrieren darstellen. Branchenkenner weisen jedoch darauf hin, dass geänderte Definitionen und Messmethoden das Bild verzerren können.
Was hat die Zunahme der KI-gestützten Suchfunktionen für KMU bedeutet?
Künstliche Intelligenz verändert die Sichtbarkeit im Marktplatz, insbesondere für kleinere Händler. Die Suche wird zunehmend von Algorithmen bestimmt, sodass KMU verstärkt auf optimierte KI-Strategien und Preisgestaltung angewiesen sind.
Können die Investitionen von Amazon in Cloud und KI die Händlerentwicklung stärken?
Die hohen Investitionen in AWS-Infrastruktur (4,8 Mrd. €) und KI-Forschung fließen vorrangig in Technologie für Rechenzentren. KMU profitieren indirekt, etwa durch bessere Skalierbarkeit, während der Margendruck durch steigende KI-Kosten bestehen bleibt.
Quellen
- https://aboutamazon.de/news/unternehmen/amazon-kmu-report-2026
- https://www.ifhkoeln.de/studie-neue-dynamik-im-amazon-markt-2026/
- https://aboutamazon.de/news/unternehmen/investitionen-deutschland-2027

