Der globale Online-Umsatz wird bis 2036 von 11 Billionen US-Dollar auf 25,6 Billionen US-Dollar ansteigen – und ein Großteil dieses Wachstums kommt aus Schwellenländern. Die Studie von World Data Lab und EBANX zeigt, dass traditionelle Kreditkarten in diesen Märkten an Bedeutung verlieren, während lokale Zahlungslösungen (Local Payment Methods, LPMs) das Checkout-Erlebnis dominieren. Für internationale Online-Händler bedeutet das eine grundlegende Neuausrichtung der Zahlungs- und Checkout-Architekturen.
Lokale Zahlungslösungen bestimmen das Wachstum
Die Daten belegen einen klaren Trend: Im Jahr 2036 besitzen nur 20 % der erwachsenen Bevölkerung in Schwellenländern eine Kreditkarte – im Vergleich zu 66 % in Industrieländern. Trotz dieser geringen Kreditkartenpenetration steigen die Online-Ausgaben kartenloser Konsumenten von 3,3 Billionen US-Dollar (2026) auf 7,6 Billionen US-Dollar (2036), ein Anstieg von 130 %.
- Online-Ausgaben ohne Kreditkarte in Schwellenländern 2036: 7,6 Billionen US-Dollar
- Kreditkartenbesitz bei Erwachsenen in Schwellenländern 2036: 20 %
- Kreditkartenbesitz bei Erwachsenen in Industrieländern 2036: 66 %
Ein markantes Beispiel liefert das brasilianische Sofortzahlungssystem Pix. Bereits fünf Jahre nach seiner Einführung erreichte Pix 95 % der erwachsenen Brasilianer. Diese Durchdringung verdeutlicht, wie schnell lokale Zahlungskanäle Marktanteile gewinnen können.
“Die Daten deuten auf ein großes Reservoir digital aktiver Menschen hin, die bislang noch nicht online einkaufen”, erklärt Wolfgang Fengler, CEO von World Data Lab.
Die zweite Länderreihe: Brasilien, Indonesien und Mexiko
Hinter den Wachstumstreibern China (+4,7 Billionen US-Dollar) und Indien (+1,3 Billionen US-Dollar) formieren sich weitere Schlüsselmärkte, die das globale E-Commerce-Geschehen prägen:
- Brasilien: zusätzlicher Online-Umsatz bis 2036 + 249 Mrd. US-$
- Indonesien: zusätzlicher Online-Umsatz bis 2036 + 243 Mrd. US-$
- Mexiko: zusätzlicher Online-Umsatz bis 2036 + 191 Mrd. US-$
Diese Märkte tragen wesentlich zu den erwarteten 8,7 Billionen US-Dollar zusätzlichen Online-Umsatz in Schwellenländern bei, was 60 % des gesamten globalen Wachstums ausmacht.
Silver Economy – Ältere Konsumenten als Wachstumsmotor
Entgegen dem Klischee einer rein jugendgetriebenen Online-Welt stellen Konsumenten ab 45 Jahren das Rückgrat des Wachstums in den Emerging Markets dar. Sie generieren 4,4 Billionen US-Dollar an zusätzlichen Online-Ausgaben bis 2036 und machen 51 % des gesamten E-Commerce-Zuwachses in Schwellenländern aus. Besonders stark ist das Wachstum der 65-plus-Kohorte mit einer jährlichen Wachstumsrate von 12,2 % (2026-2036).
- Digitalausgaben für Gaming, Streaming & Social Media (45-64 Jahre) 2036: 318 Mrd. US-$ (etwa 25 % mehr als bei 15-29-Jährigen)
- Jährliche Wachstumsrate Online-Ausgaben Generation 65+ (2026-2036): 12,2 %
Diese Zahlen zeigen, dass die “Silver Economy” nicht nur ein demografisches Phänomen, sondern ein signifikanter Umsatztreiber ist.
Risiken und Herausforderungen bei der Integration lokaler Zahlungssysteme
Die Umstellung auf LPMs birgt jedoch strukturelle Risiken:
- Marktfragmentierung: Es existiert kein einheitliches globales Bezahlprotokoll für Schwellenländer. Händler müssen zahlreiche nationale Systeme (z. B. Pix, UPI, QR-Standards, Mobile Money) integrieren, was die Checkout-Komplexität und Integrationskosten erhöht.
- Währungs- und Konvertierungsrisiken: Hohe Volatilität lokaler Währungen und Devisenbeschränkungen können Margen internationaler Händler schmälern, wenn keine lokalen Abrechnungseinheiten vorhanden sind.
- Diskrepanz zwischen digitaler Präsenz und Kaufkraft: Trotz 957 Millionen digital aktivierbarer Konsumenten liegt das durchschnittliche Tagesbudget bei 6-25 US-$; Warenkörbe bleiben pro Kopf deutlich unter westlichem Niveau.
Schnellüberblick:
Warum setzen sich Kreditkarten in Schwellenländern nicht durch?
Strikte Bonitätsvorgaben, hohe Jahres- und Zinsgebühren sowie unzureichende Bankfilialnetze verhindern traditionelle Kreditkarten. Stattdessen schließen staatliche Sofortzahlsysteme (wie Pix in Brasilien oder UPI in Indien) und Mobile-Money-Konten diese Lücke kostengünstig und smartphonebasiert.
Welche Warengruppen profitieren in Schwellenländern am meisten?
Laut World Data Lab und EBANX wächst Online-Gaming jährlich um 14 % am schnellsten, gefolgt von SaaS-Diensten mit knapp 10 % Wachstum. Schwellenländer stellen bis 2036 rund 76 % des weltweiten Ausgabenwachstums bei Social Media und 64 % bei SaaS.
Was bedeutet diese Verschiebung für westliche E-Commerce-Unternehmen?
Unternehmen, die ausschließlich Kreditkarten akzeptieren, schließen bis zu 80 % der erwachsenen Bevölkerung in Schwellenländern aus. Die Einbindung lokaler Zahlungsmethoden wird zur primären Eintrittskarte für rund 741 Millionen neue Online-Käufer.

