Der deutsche Einzelhandel steht 2026 vor einer paradoxen Lage: Während ein Großteil der Unternehmen ein leichtes nominales Umsatzwachstum erwartet, drückt ein anhaltender Kosten- und Margen-druck die Erträge. Gleichzeitig zwingt der Transformationsbedarf – Omnichannel-Verknüpfungen, moderne Zahlungs- und KI-gestützte Vertriebskanäle – Händler zu hohen Investitionen, die die Rentabilität weiter belasten.
Umsatzprognosen und Margenentwicklung – Faktenlage 2026
Laut der Jahresprognose des Handelsverbands Deutschland (HDE) liegt das reale Umsatzwachstum des Einzelhandels für das Jahr 2026 bei lediglich +0,5 %, während das nominale Wachstum bei rund 2,0 % liegt. Fast die Hälfte der befragten Händler (49 %) geht sogar von einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr aus.
Eine IFH-Umfrage unter 109 Handelsunternehmen bestätigt die Margen-Sorge: „55 % der Händler erwarten steigende Umsätze, gleichzeitig rechnen 62 % mit sinkenden Roherträgen.“ Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass reine Umsatzsteigerungen nicht automatisch zu höheren Gewinnen führen.
- 55 % erwarten Umsatzwachstum (IFH-Studie).
- 62 % rechnen mit fallenden Roherträgen.
- 49 % sehen ihr Jahresumsatzpotenzial unter dem Vorjahresniveau.
- Reales Wachstum: +0,5 % (HDE, 2026).
Omnichannel-Strategien: Chancen und Ressourcenengpässe
Die Verknüpfung von Online- und Offline-Kanälen gilt als Schlüssel zur Kundennähe. Laut Unzer-Report haben bereits 81 % der befragten Händler ihre Kanäle vernetzt oder planen dies. Dennoch scheitert die Umsetzung häufig an personellen und finanziellen Engpässen.
„Die Ergebnisse zeigen eine Situation, die viele mittelständische Händler unmittelbar kennen: Umsatz allein reicht nicht aus, wenn Kosten steigen und die Margen unter Druck geraten“, erklärt Pascal Beij, Vertriebschef von Unzer.
- 81 % haben Omnichannel-Verknüpfungen umgesetzt oder in Planung.
- 69 % nennen fehlende Fachkräfte als große Herausforderung.
- 65 % sehen den Aufbau neuer Kanäle bzw. die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern als Hindernis.
Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kämpfen mit begrenzten Budgets, veralteten Warenwirtschaftssystemen und hohen Integrationskosten – Faktoren, die die erwarteten Effizienzgewinne schmälern.
Flexible Zahlungsarten und die Rolle von Wero
Im deutschen E-Commerce dominieren nach einer EHI-Studie 2026 PayPal (28,7 % Umsatzanteil) und der klassische Rechnungskauf (26,1 %). Die durchschnittlichen Transaktionskosten unterscheiden sich stark: Rechnungskauf kostet Händler im Schnitt 1,42 % des Umsatzes, während die SEPA-Lastschrift nur 0,65 % beansprucht.
Buy-Now-Pay-Later-Lösungen erhöhen zwar den durchschnittlichen Warenkorbwert, erhöhen jedoch gleichzeitig die Kostenbasis durch Ausfallrisiken und Provider-Gebühren.
Die europäische Bezahllösung Wero gewinnt an Bedeutung: 25 % der befragten Händler setzen Wero bereits ein, weitere 24 % planen die Einführung bis Ende 2026 – damit die höchste geplante Zunahme aller Zahlverfahren. Insgesamt geben 49 % an, Wero zu nutzen oder einzuführen.
- PayPal: 28,7 % Umsatzanteil (EHI, 2025).
- Rechnungskauf: 26,1 % Umsatzanteil (EHI, 2025).
- Transaktionskosten Rechnungskauf vs. Lastschrift: 1,42 % vs. 0,65 % (EHI, 2026).
- Wero-Nutzung: 25 % aktuell, 24 % geplant bis Ende 2026.
Agentic Commerce – KI-gestützte Einkaufskanäle
Die Customer Journey wandelt sich: 70 % der Konsumenten nutzen bereits KI-Tools für Produkt- und Preisrecherchen (EY-Parthenon, 2026). Mehr als die Hälfte der Händler (54 %) hält Agentic Commerce – autonome, KI-gestützte Bestellungen – für einen relevanten zukünftigen Vertriebskanal.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Unsicherheiten: Haftungsfragen bei Fehlkäufen, fehlende einheitliche Checkout-Standards und das Risiko unautorisierter Bestellungen werden als zentrale Risikofaktoren genannt.
- 70 % der Verbraucher nutzen KI für Produkt- und Preisrecherche.
- 54 % der Händler sehen Agentic Commerce als relevant an.
- Herausforderungen: Haftungsrisiken, fehlende Standards, mögliche Verlust der Kundenbeziehung.
Kostendruck durch neue Zahlungsoptionen
Flexible Zahlarten wie BNPL steigern zwar die Kaufbereitschaft, führen jedoch zu höheren Gebühren und Ausfallrisiken. Ohne ein striktes Kosten-Controlling droht eine zusätzliche Aushöhlung der Nettomargen.
Rechtliche Unsicherheiten verstärken den Druck: Fehlende EU-weit einheitliche Regelungen für KI-Agenten können zu kostspieligen Retouren und Rechtsstreitigkeiten führen.
- BNPL erhöht durchschnittlichen Warenkorbwert, erhöht aber Gebühren und Ausfallrisiken.
- Fehlende rechtliche Standards für autonome KI-Bestellungen erhöhen das Haftungsrisiko.
Schnellüberblick:
Warum erodieren die Handelsmargen trotz nominal steigender Umsätze?
Haupttreiber sind überproportional gestiegene Kosten für Beschaffung, Energie, IT-Infrastruktur und Personal sowie die Notwendigkeit hoher Rabatte aufgrund der anhaltenden Preissensibilität der Konsumenten.
Was bremst kleine und mittlere Händler bei der Omnichannel-Integration?
Vor allem fehlende IT-Fachkräfte, veraltete Warenwirtschaftssysteme sowie hohe Integrationskosten für externe Dienstleister und Schnittstellen erschweren die nahtlose Verzahnung von Laden- und Onlinegeschäft.
Welche Rolle spielt die europäische Bezahllösung Wero im Vergleich zu etablierten Methoden?
Wero positioniert sich als bankenbasierte europäische Alternative zu US-Anbietern wie PayPal oder Kreditkarten; während das Akzeptanznetzwerk wächst, bleibt PayPal im E-Commerce mit über 28 % Umsatzanteil vorerst der dominante Marktführer.
Quellen
- https://einzelhandel.de/konjunktur
- https://www.ehi.org/presse/online-payment-2026/
- https://www.ehi.org/presse/zahlungssysteme-im-einzelhandel-2026/
- https://www.ey.com/dede/strategy/agentic-commerce-studie

