Die fortschreitende Digitalisierung und der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) verändern den Einzelhandel grundlegend. Neben Effizienzgewinnen stellen sich Unternehmen die Frage, inwieweit Fachkräfte – insbesondere solche mit formalen Abschlüssen – durch KI unterstützt oder sogar ersetzt werden können. Die vorliegende Analyse fasst aktuelle Studien, Zahlen und Expertenmeinungen zusammen und beleuchtet sowohl Chancen als auch Risiken für den deutschen Handelssektor.
KI im Handelsalltag – Wie verbreitet ist die Nutzung?
Laut einer aktuellen Erhebung setzen bereits 54,5 % der Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen ein. Der Handel liegt mit einem Anteil von 19,7 % leicht hinter den Dienstleistern, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Bauhauptgewerbe zurück, doch die Durchdringung ist branchenübergreifend nahezu identisch.
- 54,5 % aller Unternehmen nutzen KI (2026, Quelle S1)
- 19,7 % der KI-Nutzer entfallen auf den Handel
- Weitere Branchen: Dienstleister (14,6 %), verarbeitendes Gewerbe (12,6 %), Bauhauptgewerbe (9,3 %)
Diese Zahlen verdeutlichen, dass KI bereits ein fester Bestandteil betrieblicher Abläufe ist und künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Ersetzbarkeit von Fachhochschulabschlüssen durch KI
Eine zentrale Erkenntnis der Ifo-Studie ist, dass 28,6 % der befragten Unternehmen eine leichte bis sehr leichte Ersetzbarkeit von Fach- und Hochschulabschlüssen durch KI sehen. Sebastian Halm fasst das Ergebnis prägnant zusammen: „Keine Branche kann sich so gut vorstellen, Menschen mit KI zu ersetzen.“
Anna Ruffert, Forscherin am Ifo-Institut, erklärt: „KI verändert die Arbeitswelt und kann in manchen Bereichen auch formale Qualifikationen und Erfahrungen teilweise ersetzen.“
- 28,6 % sehen leichte bis sehr leichte Ersetzbarkeit von Abschlüssen
- Nur knapp 20 % der Unternehmen, die KI bereits einsetzen, halten dies für leicht oder sehr leicht
Formale Abschlüsse vs. Berufserfahrung – wo liegt der Unterschied?
Im Vergleich zur Ersetzbarkeit von Abschlüssen ist die Ersetzbarkeit von Berufserfahrung durch KI deutlich geringer. Im Handel geben lediglich 22,9 % der Unternehmen an, Berufserfahrung leicht oder sehr leicht durch eine KI-unterstützte, unerfahrene Arbeitskraft ersetzen zu können. Bei den Dienstleistern liegt dieser Wert bei 14,5 % und im Bauhauptgewerbe sogar nur bei 7,7 %.
- Ersetzbarkeit von Berufserfahrung im Handel: 22,9 %
- Dienstleister: 14,5 %
- Verarbeitendes Gewerbe: 12,6 %
- Bauhauptgewerbe: 7,7 %
Die Studie zeigt, dass formale Qualifikationen leichter durch KI substituiert werden können als praktische Erfahrung – ein Aspekt, der Unternehmen bei der Personalplanung berücksichtigen sollten.
Langfristige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Der globale Blick auf die Automatisierung liefert ein gemischtes Bild. Das Weltwirtschaftsforum prognostiziert, dass bis 2025 85 Millionen Arbeitsplätze durch Automatisierung verloren gehen, gleichzeitig jedoch 97 Millionen neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen könnten. Diese Entwicklung hat direkte Implikationen für die Qualifizierung von Arbeitnehmern im Handel.
- Verlorene Arbeitsplätze bis 2025: 85 Millionen (Quelle S2)
- Neu geschaffene Arbeitsplätze bis 2025: 97 Millionen (Quelle S2)
Der Wandel erfordert eine kontinuierliche Anpassung von Ausbildungsinhalten und Weiterbildungsangeboten, um die entstehenden Jobprofile zu besetzen.
Wirtschaftliche Chancen durch KI-Implementierung
Studien von Accenture zeigen, dass Unternehmen, die KI erfolgreich einsetzen, ein jährliches Wachstum von 40 % verzeichnen können (2023). Diese Wachstumsprognose unterstreicht die Dringlichkeit für Handelsunternehmen, in KI-Lösungen zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
- Jährliches Wachstum durch KI-Implementierung: 40 % (2023, Accenture)
Die Kombination aus Effizienzsteigerungen und neu entstehenden Arbeitsplätzen macht KI zu einem entscheidenden Treiber für das zukünftige Wachstum im Handel.
Herausforderungen: Akzeptanz und Widerstand
Ein wesentlicher Risikofaktor bleibt die mangelnde Akzeptanz von KI bei Arbeitnehmern. Ohne das Vertrauen und die Bereitschaft der Belegschaft, KI-gestützte Prozesse zu übernehmen, können Effizienzgewinne gefährdet sein. Die Studie hebt hervor, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen (55,4 %) die Ersetzung von Fachkräften durch KI als schwer oder gar nicht möglich einschätzt, während 62,7 % dies bei der Substitution einer erfahrenen Arbeitskraft durch eine unerfahrene, KI-unterstützte Arbeitskraft für unmöglich halten.
- 55,4 % sehen Ersetzung von Fachkräften durch KI als schwer/garnicht möglich
- 62,7 % halten den Austausch einer erfahrenen Arbeitskraft durch eine unerfahrene, KI-unterstützte Arbeitskraft für unmöglich
Unternehmen sollten daher gezielte Kommunikations- und Schulungsstrategien entwickeln, um die Akzeptanz zu fördern und Widerstände abzubauen.
Schnellüberblick:
Wie verändert KI den Arbeitsmarkt?
KI transformiert den Arbeitsmarkt durch die Automatisierung vieler Aufgaben, was zu einem Arbeitsplatzverlust in bestimmten Sektoren führt, gleichzeitig aber neue Berufsfelder schafft.
Wie hoch ist der Prozentsatz der Unternehmen, die KI bereits nutzen?
54,5 % der Unternehmen setzen KI in ihren Geschäftsprozessen ein (2026, Quelle S1).
Wie groß ist die Ersetzbarkeit von Fachhochschulabschlüssen im Handel?
28,6 % der Unternehmen sehen eine leichte bis sehr leichte Ersetzbarkeit von Fach- und Hochschulabschlüssen durch KI.
Wie stark ist die Ersetzbarkeit von Berufserfahrung im Handel?
22,9 % der Unternehmen im Handel bewerten die Ersetzbarkeit von Berufserfahrung durch KI als leicht oder sehr leicht.
Welches Wachstumspotenzial bietet KI für Unternehmen?
Accenture prognostiziert ein jährliches Wachstum von 40 % für Unternehmen, die KI erfolgreich implementieren (2023).
Quellen
- https://www.accenture.com/us-en/insights/technology/artificial-intelligence-economic-impact
- https://www.weforum.org/reports/future-of-jobs-report-2023

