Ein automatischer Etikettendrucker druckt ein Etikett, während ein Karton mit rosa Kleidung auf einem Förderband liegt,

Im europäischen Fashion-E-Commerce gelten hohe Retourenquoten und der Kauf auf Rechnung als zentrale Margenfresser. s.Oliver hat durch die Partnerschaft mit dem Payment-Specialist Riverty eine komplette Auslagerung und Skalierung der Rechnungskauf- und Post-Purchase-Prozesse realisiert. Die Transformation entlastet operative Ressourcen, senkt Support-Kosten und stärkt das Kundenerlebnis bei gleichzeitiger internationaler Expansion.

Branchenkontext: Hohe Retourenintensität im Fashion-Segment

Das Textilsegment bleibt der retourenintensivste Bereich im Online-Handel. Laut einer Erhebung des EHI Retail Institute aus dem Jahr 2026 verzeichnen 67,5 % aller Fashion-Händler artikelbezogene Retourenquoten von über 20 %. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen Aufwand, der für die Abstimmung von Zahlungen nach Rücksendungen notwendig ist.

  • Retourenquote > 20 %: 67,5 % der Fashion-Händler (2026)
  • Kauf auf Rechnung ist im DACH-Raum neben PayPal das umsatzstärkste Verfahren (EHI Online-Payment 2024)

Kosten- und Regulierungsdruck bei In-House BNPL

Die interne Bereitstellung von Rechnungskauf-Modellen bindet erhebliche Entwicklungs- und Risikokapazitäten. Aufkommende regulatorische Hürden – etwa die reformierte EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) – erhöhen die Total Cost of Ownership (TCO) eigenbetriebener Bezahllösungen drastisch. Gleichzeitig steigen Anforderungen an die Betrugsprävention, was zusätzliche technische und personelle Ressourcen erfordert.

  • Regulatorischer Druck durch CCD2
  • Notwendigkeit umfassender Risikoprüfungen
  • Hohe Entwicklungs- und Wartungskosten

Operative Grenzen bei s.Oliver und die Partnerschaft mit Riverty

s.Oliver verwaltete den Rechnungskauf jahrelang intern. Saisonale Peaks – etwa rund um Black Friday und Weihnachten – führten zu einem operativen Engpass: Das Unternehmen musste Risiken bewerten, Rückerstattungen abwickeln, Zahlungen abstimmen und gleichzeitig proaktiv mit Kund:innen kommunizieren. Dieser Aufwand kostete Zeit und Ressourcen, die an anderer Stelle fehlten.

“s.Oliver wollte seine Prozesse nach dem Checkout optimieren und fand in Riverty den passenden Partner.” – aus der Riverty-Pressemitteilung.

Als das Unternehmen plante, international zu expandieren, wurde die interne Verwaltung zum Problem.

Der Schritt weg von internen Legacy-Lösungen hin zu einem spezialisierten Partner ist symptomatisch für die gesamte Textilbranche. Erhebungen des EHI Retail Institute (2026) verdeutlichen die anhaltende Belastung: Mit 67,5 % verzeichnet mehr als zwei Drittel aller Fashion-Händler artikelbezogene Retourenquoten von über 20 %. Treffen diese Rücksendevolumina auf den im deutschsprachigen Raum dominierenden Kauf auf Rechnung, vervielfachen sich die internen Abstimmungsaufwände. Wachsende regulatorische Anforderungen wie die reformierte EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) treiben die Betriebskosten für eigene BNPL-Systeme zusätzlich in die Höhe (Riverty, 2026).

Die Auslagerung an Riverty reduzierte die Anzahl an Support-Anfragen signifikant und steigerte die Netto-Akzeptanzrate. Heute ist Riverty die Zahlungsart mit dem höchsten Checkout-Anteil bei s.Oliver – und das bei den wenigsten Support-Anfragen.

Rollout-Umfang: Marken und europäische Ländergrenzen

Die im November 2024 öffentlich vorgestellte Partnerschaft umfasst nicht nur die Kernmarke s.Oliver, sondern die gesamte s.Oliver Group inklusive der Marken comma und Liebeskind Berlin. Das Projekt wurde in zwölf Webshops in fünf europäischen Kernmärkten implementiert:

  • Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH-Region)
  • Niederlande
  • Belgien

Damit deckt die neue Zahlungsinfrastruktur 12 Online-Shops (2024) ab und stellt damit einen markenübergreifenden, länderübergreifenden Rollout dar.

Vorteile und Ergebnisse der Auslagerung

Durch die Zusammenarbeit mit Riverty erzielte s.Oliver mehrere messbare Verbesserungen:

  • Reduzierung von Support-Anfragen nach dem Checkout
  • Steigerung der Netto-Akzeptanzrate beim Rechnungskauf
  • Höchster Checkout-Anteil von Riverty-Zahlungen innerhalb des Unternehmens
  • Entlastung von internen Finanz- und Kundendienst-Teams
  • Skalierbare Prozesse für die internationale Expansion

“Die Zusammenarbeit hat unser Kundenerlebnis gestärkt und gleichzeitig unsere internen Ressourcen geschont”, heißt es in einer Stellungnahme von s.Oliver-Vertretern.

Risiken und Gegenmaßnahmen

Trotz der Vorteile gibt es kritische Punkte, die beachtet werden müssen:

  • Verlust des direkten Kundenkontakts im Mahnwesen: Wenn das Forderungsmanagement an externe Dienstleister übergeben wird, können aggressive Mahnschritte loyale Kund:innen verärgern. Eine kundenfreundliche Self-Service-Lösung ist daher erfolgskritisch.
  • Abhängigkeit von Scoring-Algorithmen Dritter: Externe Risikoprüfungen können legitime Bestandskund:innen fälschlich ablehnen (False Positives), was zu Kaufabbrüchen und Reputationsschäden führen kann.

Zur Risikominimierung setzt s.Oliver auf transparente Kommunikationsprozesse und klare Service-Level-Agreements mit Riverty, um sowohl Kund:innen-Zufriedenheit als auch regulatorische Konformität sicherzustellen.

Schnellüberblick:

Welche Marken der s.Oliver Group nutzen die gemeinsame Riverty-Lösung?

Neben der Kernmarke s.Oliver wurde die Lösung markenübergreifend auch für comma und Liebeskind Berlin in insgesamt zwölf Onlineshops ausgerollt.

Warum ist der Kauf auf Rechnung in der Modebranche so geschäftsentscheidend?

Textilbestellungen bestehen häufig aus mehreren Größen oder Schnitten. Kund:innen erwarten, erst nach der Anprobe und ausschließlich für behaltene Artikel zu bezahlen, ohne vorab Geld vorstrecken zu müssen.

Quellen

Von Fabian Roth

Fabian ist Spezialist für Online-Werbung und Performance-Marketing. Er beschäftigt sich mit Google Ads, Meta Ads und Conversion Funnels und zeigt, wie man Werbebudgets effektiv einsetzt.