Ein beleuchtetes Server-Rack in einem modernen Rechenzentrum, daneben greift ein Industrieroboter nach leeren Kartons.

Der Neunmonatsbericht 2026 der The Platform Group (TPG) liefert ein differenziertes Bild aus starkem Umsatz– und Kundenwachstum, jedoch sinkenden Margen und einem verwässerten Ergebnis je Aktie. Für angeschlagene Händler und Investoren ist es entscheidend zu verstehen, ob das softwarebasierte Plattformmodell organisch skalierbar bleibt und Kostensenkungen wirksam werden.

Umsatz- und Wachstumsentwicklung

TPG verzeichnete im Zeitraum Januar bis September 2026 einen Nettoumsatz von 622,7 Millionen Euro, was einem Anstieg von 17,1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Bruttowarenvolumen (GMV) stieg mit 1,076,9 Millionen Euro um 19,4 % auf über eine Milliarde Euro.

  • Umsatz 2025: 531,6 Mio. € – 2026: 622,7 Mio. € (+17,1 %)
  • GMV 2025: 902,1 Mio. € – 2026: 1.076,9 Mio. € (+19,4 %)
  • Aktive Kunden 2025: 6,71 Mio. – 2026: 8,6 Mio. € (+28,4 %)
  • Partnerbasis 2025: 15.931 – 2026: 17.873 (+) 12,2 %
  • Durchschnittlicher Bestellwert (AOV) 2025: 125 € – 2026: 129 €

Das Plattformmodell deckt inzwischen 26 Branchen ab, sowohl im B2B– als auch im B2C-Segment, und hat damit seine Reichweite signifikant ausgebaut.

Ergebnis mit gemischtem Bild

Das operative Ergebnis zeigt widersprüchliche Trends. Das bereinigte EBITDA legte um 16,4 % auf 53,3 Millionen Euro zu, während das berichtete EBITDA um 3,2 % auf 57,5 Millionen Euro sank. Gleichzeitig stieg das Konzernergebnis um 6,5 % von 41,7 Mio. € auf 44,4 Mio. €, doch das Ergebnis je Aktie (EPS) fiel von 2,03 € auf 1,69 €.

“Das Konzernergebnis stieg um 6,5 % auf 44,4 Millionen Euro, doch aufgrund vorheriger Kapital- und Akquisitionsmaßnahmen verwässerte sich das Ergebnis je Aktie von 2,03 Euro auf 1,69 Euro.” – Unternehmensmeldung, 2026

Die Bruttomarge verringerte sich von 36,7 % auf 35,0 %, ein Hinweis auf die anhaltende Margenerosion trotz wachsender Verkaufszahlen.

Verwässerungseffekt erklärt – Diskrepanz beim Ergebnis je Aktie

Der Rückgang des EPS ist primär auf die erhöhte gewichtete Aktienanzahl zurückzuführen. Frühere Kapitalerhöhungen und Akquisitionen führten zu einer größeren Anzahl ausstehender Anteile, wodurch der absolute Gewinnzuwachs von 6,5 % auf mehr Schultern verteilt wurde.

  • Konzernergebnis 2025: 41,7 Mio. € – 2026: 44,4 Mio. € (+6,5 %)
  • EPS 2025: 2,03 € – 2026: 1,69 € (-16,8 %)
  • Ursache: Aktienverwässerung durch vorherige Kapital- und Akquisitionsmaßnahmen

Restrukturierung, Stellenabbau und KI-Initiative

Um der Margenerosion entgegenzuwirken, hat das Management im dritten Quartal 2026 eine umfassende Neuorganisation umgesetzt. Kernpunkte waren:

  • Einführung einer konzernweiten KI-Initiative zur Automatisierung operativer Prozesse
  • Signifikanter Personalabbau zur Reduktion fixer Kosten
  • Striktes Kostenmanagement, das zusammen mit operativen Mittelzuflüssen den Verschuldungsgrad auf 1,7-faches EBITDA senkte

Der Rückgang des Leverage-Verhältnisses von über 2,0-fach auf 1,7-fach unterstreicht die Wirksamkeit dieser Maßnahmen.

Treiber der Reichweite: Mehr Branchen und höhere Warenkörbe

Das Wachstum resultierte maßgeblich aus vier von fünf Geschäftssegmenten. Die Erweiterung auf 26 Branchen und die Zunahme der Partnerbasis von 15.931 auf 17.873 zeigen die Diversifikation des Plattformmodells. Zusätzlich stieg der durchschnittliche Bestellwert leicht von 125 € auf 129 €, ein Hinweis auf höhere Warenkörbe pro Kunde.

  • Abgedeckte Branchen: 26 (2026)
  • Partnerbasis: +12,2 % (15.931 → 17.873)
  • Durchschnittlicher Bestellwert: 125 € → 129 €

Schnellüberblick:

Warum sank das Ergebnis je Aktie trotz steigendem Konzerngewinn?

Das Konzernergebnis wuchs um 6,5 % auf 44,4 Millionen Euro, jedoch führten früherere Kapital- und Akquisitionsmaßnahmen zu einer höheren Anzahl ausstehender Aktien, wodurch der Gewinn pro Aktie verwässert wurde.

Wie gelang der Abbau des Verschuldungsgrads auf 1,7-faches EBITDA?

Durch eine Neuorganisation im dritten Quartal 2026, verbunden mit Personalabbau und einer konzernweiten KI-Initiative, reduzierte TPG seine Fixkosten und steigerte operative Mittelzuflüsse, was den Leverage-Faktor auf 1,7 senkte.

Welche Risiken bestehen für das vierte Quartal 2026?

Um die untere Umsatzgrenze von mindestens 1,0 Mrd. Euro zu erreichen, muss das Unternehmen im vierten Quartal über 377 Millionen Euro umsetzen – das entspricht mehr als 60 % mehr Umsatz als im dritten Quartal, wodurch hoher Erfüllungsdruck entsteht.

Was erklärt die Diskrepanz zwischen bereinigtem und berichtetem EBITDA?

Der Rückgang des berichteten EBITDA um 3,2 % deutet auf Einmalkosten wie Abfindungen aus Restrukturierungen oder M&A-Nebenkosten hin, die das bereinigte operative Ergebnis nach oben korrigieren.

Quellen

Von Fabian Roth

Fabian ist Spezialist für Online-Werbung und Performance-Marketing. Er beschäftigt sich mit Google Ads, Meta Ads und Conversion Funnels und zeigt, wie man Werbebudgets effektiv einsetzt.