Ein Serverraum mit modularen Rack-Einheiten, einem holographischen KI-Kern in Blau und leuchtenden Daten-Kabeln, die

Großhändler und Industriehersteller stehen heute vor einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite verlangen Kunden nahtlose, digitale Kauferlebnisse, auf der anderen hemmen starre IT-Systeme die Realisierung von KI-gestützten Effizienz- und Automatisierungspotenzialen. Die Entscheidung für flexible, modulare Architekturen wird dabei nicht nur zur technischen Notwendigkeit, sondern zum strategischen Wachstumstreiber.

Marktvolumen und ökonomischer Druck im B2B-Internethandel

Der deutsche B2B-Internethandel boomt. Laut dem B2B-Marktmonitor 2026 von ECC KÖLN, CGI und Intershop erzielen Hersteller und Großhändler im Jahr 2025 ein Transaktionsvolumen von 549 Milliarden Euro – ein Wachstum von 7,9 % gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt bewegen digitale Kanäle, inklusive EDI, rund 1,6 Billionen Euro, was etwa 30 % des gesamten B2B-Handelsvolumens entspricht. Dieser makroökonomische Kontext verdeutlicht, dass starre Systeme nicht nur ein IT-Problem sind, sondern Umsätze in dreistelliger Milliardenhöhe bedrohen.

Systemstarrheit und ihre Folgen

Eine aktuelle Studie des B2BEST Barometers (ECC KÖLN, synaigy, emporix) zeigt, dass 53 % der B2B-Unternehmen ihre Systemlandschaft als zu starr für neue Marktanforderungen bewerten. Gleichzeitig erwarten 80 bis 81 % innerhalb der nächsten zwei Jahre eine zentrale oder wichtige Rolle von KI in ihrer E-Commerce-Architektur. Die Diskrepanz zwischen hohen KI-Erwartungen und einer unflexiblen IT-Basis erzeugt einen erheblichen Innovationsdruck.

Modulare Shopsysteme gewinnen an Bedeutung

Bei einer kompletten Neuaufsetzung der E-Commerce-Architektur würden sich 50 % der befragten Unternehmen für ein modulares System entscheiden. Diese “Composable” oder MACH-Architekturen trennen Frontend, Produktkatalog, Checkout und Logik in unabhängige Services, die über APIs kommunizieren – im Gegensatz zu monolithischen All-in-One-Lösungen, bei denen alle Funktionen in einem zentralen Codeblock gebündelt sind. Dennoch schreckt 56 % der Unternehmen die damit verbundene Komplexität ab, weil sie höhere interne Governance- und Orchestrierungskompetenzen erfordern.

KI und Automatisierung bestimmen die Zukunft

Die Ambitionen im KI-Bereich sind deutlich. Laut einer Analyse von Rahimi/synaigy (2026) planen 85 % der B2B-Unternehmen bis 2027 ihre KI-Budgets zu erhöhen, wobei 27 % eine deutliche Budgetsteigerung anstreben. Die größte Barriere bleibt die fehlende Systemverknüpfung von ERP, CRM und Onlineshop, die laut Studie 34 % der Unternehmen als Vertriebsbremse wirkt und zu Medienbrüchen sowie manueller Nacharbeit führt. Einsatzfelder wie Chatbots und virtuelle Assistenten wachsen ebenfalls: 48 % der Unternehmen setzen solche Technologien ein, das ist ein Anstieg von 39 % gegenüber 2024.

Komplexitätsfalle Composable Commerce

Obwohl modulare Architekturen monolithische Lock-in-Effekte lösen, erfordern sie signifikante interne Kompetenzen. “56 % der Unternehmen zweifeln an ihrer Fähigkeit, die gesteigerte Governance- und Schnittstellenkomplexität zu managen”, heißt es im B2BEST Barometer. Die Gefahr liegt darin, dass die Flexibilität neuer Technologien durch fehlende Ressourcen wieder verloren geht.

Datenqualität als Engpass für agentische KI

KI-Modelle und autonome Bestellagenten scheitern häufig nicht an der Software, sondern an inkonsistenten Stammdaten. Fehlende Product-Information-Management-Strukturen (PIM) und heterogene ERP-Silostrukturen im industriellen Mittelstand führen zu schlechter Datenqualität. Ohne saubere Echtzeitdaten aus ERP, CRM und PIM können dynamische Preis- oder Angebotsalgorithmen nicht zuverlässig arbeiten – ein zentraler Grund, warum 70 % der B2B-Kunden direkte Bestellmöglichkeiten aus Content- und Informationsangeboten verlangen.

Schnellüberblick:

Welche Unternehmen betrachten ihre Systemlandschaft als zu starr?

53 % der B2B-Unternehmen (B2BEST Barometer 2026) geben an, dass ihre aktuelle IT-Architektur nicht flexibel genug ist, um neue Marktanforderungen zu erfüllen.

Wie hoch ist die erwartete Rolle von KI in den nächsten zwei Jahren?

80 bis 81 % der befragten Unternehmen erwarten, dass KI eine zentrale oder wichtige Position in ihrer E-Commerce-Architektur einnimmt.

Wie groß ist das Interesse an modularen, composable Architekturen?

50 % würden bei einem Systemneustart ein modulares System wählen, während 56 % die erhöhte Komplexität als Risiko sehen.

Welcher Anteil der Unternehmen plant, KI-Budgets bis 2027 zu erhöhen?

85 % der B2B-Unternehmen planen eine Budgetsteigerung für KI, wobei 27 % signifikante Erhöhungen erwarten.

Wie wichtig ist die direkte Bestellmöglichkeit aus Content-Angeboten für Kunden?

70 % der Hersteller und Großhändler berichten, dass Kunden zunehmend aus digitalen Informationsangeboten heraus bestellen wollen.

Quellen

Von Melanie Brandt

Melanie ist Content- und SEO-Spezialistin im E-Commerce. Sie zeigt, wie durch gezielte Inhalte und Keyword-Strategien nachhaltiger organischer Traffic aufgebaut werden kann.