Ein weißer Lieferwagen mit geöffnetem Heck, gefüllt mit stapelbaren Kühlboxen, steht vor einem modernen Gebäude mit

Amazon hat Ende Oktober 2026 den Versand von frischen Lebensmitteln per Same-Day-Zustellung in ausgewählten deutschen Städten wieder aufgenommen. In Frankfurt am Main, Köln und München können Prime-Kunden ab einem Warenwert von 29 Euro die Lieferung kostenlos erhalten, während Nicht-Prime-Kunden 9,99 Euro pro Zustellung zahlen. Der Schritt markiert einen strategischen Wendepunkt: Nachdem das eigenständige Programm Amazon Fresh 2024 eingestellt wurde, setzt der Online-Riese nun auf eigene Logistik und verlagert frische Artikel in den regulären Hauptshop.

Strategischer Wandel: Von Partnerprogrammen zu Eigenlogistik

Nach dem Wegfall von Amazon Fresh setzte Amazon zunächst auf enge Kooperationen – insbesondere mit dem tschechischen Anbieter Knuspr (Rohlik-Gruppe). Diese Partnerschaft ermöglichte den Vertrieb von Frischeware über die Amazon-Plattform, ohne dass Amazon selbst Lager oder Lieferketten betrieb. Mit dem Neustart in Frankfurt und München wird Knuspr nun jedoch direkt herausgefordert. Wie ein Sprecher des Unternehmens festhielt: “Knuspr bleibt auf dem Amazon-Marktplatz vorerst gelistet, steht in Frankfurt und München jedoch nun im direkten Wettbewerb zum neuen Eigenangebot des Plattformbetreibers.” (S1). Durch eigene Lagerbestände und die Nutzung des bestehenden Same-Day-Zustellnetzes versucht Amazon, die Prime‑Kund*innen‑Frequentierung zu erhöhen und die Abhängigkeit von Dritt‑Partnern zu reduzieren.

Details der Same-Day-Frischezustellung

Lieferfenster und Preisstruktur

  • Standardlieferung: 4-Stunden-Fenster (z. B. 18‑22 Uhr) – kostenfrei für Prime‑Kunden ab 29 Euro Bestellwert.
  • Express‑Option: 2‑Stunden‑Fenster gegen Aufpreis – 2,90 Euro für Prime‑Kunden, 4,90 Euro für Nicht‑Prime‑Kunden.
  • Gesamtpreis für Nicht‑Prime‑Kunden (Standard): 9,99 Euro pro Lieferung, unabhängig vom Bestellwert.

Die Zustellung erfolgt nicht über eine eigenständige Spezialflotte, sondern innerhalb des etablierten Same-Day-Netzwerks. Amazon nutzt hierfür isolierte, recycelbare Verpackungen, die temperaturkontrolliert sowohl Frische‑ als auch Non‑Food‑Artikel transportieren können. Der separate Markenauftritt von Fresh wurde entfernt; die Frischeartikel werden jetzt wie reguläre Waren über die zentrale Amazon‑Suche gefunden und können im selben Warenkorb bestellt werden.

Marktumfeld und Wachstumspotenzial im deutschen E-Food-Sektor

Der Online-Lebensmittelhandel bleibt in Deutschland zwar eine Nische, zeigt jedoch ein kontinuierliches Wachstum. Laut dem Bundesverband E‑Commerce und Versandhandel (bevh) belief sich der Bruttoumsatz im Online‑Lebensmittelhandel 2025 auf 4,12 Milliarden Euro (S2). Der wertmäßige Anteil am gesamten Food‑Einzelhandel lag bei 3,2 % (HDE/IFH, 2025, S3). Trotz dieses relativ geringen Marktanteils gilt FMCG als einer der stärksten Wachstumstreiber im Online‑Handel. Amazon positioniert seine Same‑Day‑Frischelieferung als Hebel, um die Besuchs‑ und Kauffrequenz seiner Prime‑Basis in einem hart umkämpften Niedrigmargen‑Markt zu steigern.

Risiken und Herausforderungen

  • Geringe Margen und komplexe Kühlkette: Frischewaren erfordern genaue Temperaturkontrollen, Gefahr von Verderb und ein hohes Retouren-Risiko. Ohne ausreichende Warenkorbgrößen könnte der Dienst defizitär werden (S1).
  • Verunsicherung von Plattform‑Partnern: Investitionen von Partnern wie Knuspr in Schnittstellen und Sortimente könnten durch Amazons Eigenangebot gefährdet sein (S1).
  • Fehlende Bio‑ und Regionalprodukte: Der aktuelle Katalog enthält keine Bio‑Ware und kaum regionale Erzeuger, obwohl deutsche Konsument*innen in diesem Segment hohe Qualitätsansprüche haben (S1).

Schnellüberblick:

Wie grenzt sich der neue Same‑Day‑Dienst vom früheren ‘Amazon Fresh’ ab?

Der separate Markenauftritt und die eigenständige Infrastruktur von Fresh wurden gestrichen. Frischeartikel werden nun wie herkömmliche Handelswaren über die zentrale Amazon‑Suche gefunden und können im selben Warenkorb bestellt werden (FAQ).

Welche Zeitfenster bietet Amazon für die Frischezustellung an?

Standardmäßig wird ein Vier‑Stunden‑Fenster angeboten. Gegen einen Aufpreis von 2,90 Euro (für Prime‑Mitglieder ab 29 Euro Einkaufswert) beziehungsweise 4,90 Euro kann das Lieferfenster auf zwei Stunden verkürzt werden (FAQ).

Was passiert mit der Partnerschaft zwischen Amazon und Knuspr?

Knuspr bleibt auf dem Amazon‑Marktplatz vorerst gelistet, steht in Frankfurt und München jedoch nun im direkten Wettbewerb zum neuen Eigenangebot des Plattformbetreibers (FAQ).

Quellen

Von Fabian Roth

Fabian ist Spezialist für Online-Werbung und Performance-Marketing. Er beschäftigt sich mit Google Ads, Meta Ads und Conversion Funnels und zeigt, wie man Werbebudgets effektiv einsetzt.