Moderne Prüfeinrichtungen auf einem Tisch in einer großen Lagerhalle mit hohen Regalen und Tageslicht.

Der chinesische Online-Marktplatz Temu hat angesichts verschärfter europäischer Vorgaben seine internen Kontrollen deutlich ausgebaut. Durch die Einrichtung von Labortests direkt in den Logistiklagern, die unabhängige Validierung von Bureau Veritas sowie ein weltweites Netzwerk von mehr als 60 Prüfinstituten will Temu die Risiken gefährlicher Billigimporte eindämmen. Der Schritt erfolgt nach einer Rekordgeldbuße von 200 Millionen Euro durch die Europäische Kommission im Mai 2026 und einem darauf folgenden, fünfstufigen Aktionsplan, den das Unternehmen im Oktober 2026 angenommen hat.

Hintergrund: EU-Regulierungsdruck und DSA-Aktionsplan

Im Mai 2026 stellte die EU-Kommission Temu eine Geldbuße von 200 Millionen Euro wegen unzureichender Risikoanalyse und mangelnder Produktkontrollen im Rahmen des Digital Services Act (DSA) in Rechnung. Die Kommission kritisierte, dass systemische Risiken – zum Beispiel unsichere Netzteile oder Spielzeug mit überschrittenen Chemikalien-Grenzwerten – nicht ausreichend erkannt wurden. Anschließend wurde Temu ein vier-monatiger Zeitraum eingeräumt, um bis Ende 2026 einen Zwischenbericht über die Wirksamkeit seiner Sicherheitsmaßnahmen vorzulegen.

Der DSA-Aktionsplan verpflichtet Temu, strengere Nachweise zu erbringen, Zwischenberichte zu veröffentlichen und die Haftung für nicht konforme Produkte stärker zu adressieren.

Interne Lagerlabore – Validierung durch Bureau Veritas

Um den regulatorischen Vorgaben zu genügen, hat Temu in den Lagern seiner Logistikpartner interne Labore eingerichtet, die stichprobenartig Elektrogeräte, Textilien und Spielzeug prüfen. Die technische Ausstattung und die Arbeitsabläufe dieser Labore wurden von Bureau Veritas nach europäischen Normen auditiert. Die Bewertung umfasste Geräte, Räumlichkeiten, Personal, Abläufe und Qualitätssicherung.

“Bureau Veritas bestätigt, dass die Labore die festgelegten Tests durchführen können.”

Wichtig zu beachten ist, dass es sich hierbei um ein Prozessaudit handelt – keine Produkt-Zertifizierung. Das Siegel von Bureau Veritas bedeutet nicht, dass einzelne Waren bereits zertifiziert sind.

Erweiterte Kooperationen und Händlerschulungen

Neben den internen Laboren arbeitet Temu mit über 60 unabhängigen Prüfinstituten weltweit zusammen. Parallel dazu wurden Weiterbildungsprogramme ins Leben gerufen, um Dritt-Verkäufer mit Compliance-Experten zu vernetzen und sie bei EU-Zertifizierungen zu unterstützen.

  • Mehr als 60 globale Prüfinstitute (2026)
  • Schulungsprogramme für Marktplatz-Verkäufer
  • Verknüpfung von Prüfungsdaten mit internen Risiko-Tools

Finanzielle Rahmenbedingungen – Das doppelte Compliance-Budget

Temu hat sein weltweites Budget für Compliance und Qualitätssicherung für 2026 auf rund 200 Millionen US-Dollar festgelegt – das Doppelte des Vorjahres, in dem das Budget bei 100 Millionen US-Dollar lag. Die Investitionen fließen insbesondere in Labor-Infrastructure, externe Prüfpartner und die Entwicklung von Schulungsplattformen.

  • Compliance-Budget 2025: 100 Mio. USD
  • Compliance-Budget 2026: 200 Mio. USD
  • EU-Bußgeld 2026: 200 Mio. EUR
  • Frist für Zwischenbericht: 4 Monate ab Oktober 2026

Kritische Bewertung und Gegenargumente

Obwohl die Laborprüfungen einen bedeutenden Schritt darstellen, gibt es nach wie vor zentrale Risiken:

  • Methoden-Validierung statt Vollzertifizierung: Bureau Veritas prüft nur die Eignung der Labore, nicht die Konformität einzelner Produkte. Bei Millionen täglich verschickter Sendungen können Stichproben gefährliche Einzelfälle nicht flächendeckend ausschließen.
  • Rechtliche Händlerverantwortung und GPSR-Herausforderungen: Trotz der Bemühungen bleibt die Haftung für mangelhafte Produkte bei den Dritt-Verkäufern. Das kollidiert mit der EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR), die einen greifbaren Wirtschaftsakteur innerhalb der Union verlangt.

Verbraucherschützer äußern Bedenken, ob das aktuelle Kontrollvolumen den strengen Vorgaben der GPSR langfristig genügen wird.

“Die Verantwortung bleibt bei den Verkäufern.”

Schnellüberblick:

Bedeutet das Siegel von Bureau Veritas, dass Temu-Waren nun sicher zertifiziert sind?

Nein. Bureau Veritas hat ausschließlich bestätigt, dass die Laborausstattung und die Prüfprozesse in den Logistikzentren den europäischen Standards entsprechen. Es handelt sich um ein Prozessaudit der Labore, nicht um ein Gütesiegel für einzelne Produkte.

Wer haftet rechtlich bei mangelhaften Produkten von Temu?

Temu verweist auf den Marktplatz-Status und sieht primär den jeweiligen Dritt-Verkäufer in der Pflicht. Nach EU-Recht (u. a. Digital Services Act und GPSR) geraten Marktplätze jedoch zunehmend selbst in die Mitverantwortung, wenn systemische Risiken nicht effektiv minimiert werden.

Quellen

Von Anna Weber

Anna ist Spezialistin für digitales Marketing und Markenaufbau im Online-Bereich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Social Media Strategien, Content-Marketing und Influencer-Kooperationen. Ihre Beiträge helfen Unternehmen dabei, ihre Zielgruppe besser zu verstehen und nachhaltig zu wachsen.