Der aktuelle Trendmonitor der Mediaagenturen 2026, präsentiert von BVDW und Die Mediaagenturen e. V. auf der DMEXCO, dokumentiert eine tiefgreifende Transformation des deutschen Online-Werbemarktes. Während die Nachfrage nach digitaler Werbung ein Rekordhoch erreicht, verschiebt sich die strategische Ausrichtung von rein operativen Kampagnen hin zu KI-gestützter Optimierung, generativer Engine Optimization (GEO) und datenschutzkonformen Identifikationslösungen. Gleichzeitig werfen die Ergebnisse der gleichzeitig veröffentlichten OVK-Herbstprognose ein klares Bild von einem wachsenden Gesamtvolumen, das erstmals Connected-TV- und Streaming-Inventar einbezieht.

Starke Nachfrage nach digitaler Werbung – Zahlen und Fakten

Die Befragung zeigt, dass 70 % der befragten Mediaagenturen eine „starke“ Nachfrage nach digitaler Werbung verzeichnen – fast doppelt so hoch wie im Vorjahr (40 %). Für das kommende Jahr wird ein Wachstum von 8 % erwartet. Diese Zahlen verdeutlichen, dass digitale Werbung das tragende Fundament des deutschen Werbemarktes bildet.

  • 70 % starke Nachfrage (2026)
  • Erwartetes Marktwachstum 2027: 8 %
  • 63 % der Agenturen nutzen bereits KI zur Prozessautomatisierung
  • 90 % halten KI-Kompetenzen für zukünftig unverzichtbar

Künstliche Intelligenz als Wachstumsfaktor

Mit 94 % sehen fast alle befragten Agenturen KI-Werbung als wachsenden Faktor. KI wird vor allem für die Attribution und die Effizienz von Wirkungsanalysen eingesetzt, was insbesondere im Retail-Media-Umfeld von großer Bedeutung ist.

„KI schafft enorme Effizienzpotenziale und verändert das Selbstverständnis der Branche“, betont Ulrich Kramer, Sprecher der Mediaagenturen im BVDW.

  • 94 % sehen KI-Werbung als wachsenden Faktor
  • 63 % nutzen KI bereits routinemäßig
  • 90 % erwarten, dass KI-Kompetenzen künftig entscheidend werden

Generative Engine Optimization (GEO) ersetzt klassische SEA

Die klassische Suchmaschinenwerbung (SEA) verliert deutlich an Relevanz: nur noch 39 % der Agenturen bewerten sie als wachsend. Stattdessen rücken Generative Engine Optimization (GEO) und konversationelle Suche in den Fokus. GEO bedeutet, Inhalte so zu optimieren, dass sie von generativen KI-Suchsystemen und Chatbots zitiert und empfohlen werden – eine Weiterentwicklung der traditionellen SEO.

„GEO steht für ‚Generative Engine Optimization‘. Es beschreibt die Optimierung von Inhalten, um von generativen KI-Suchsystemen und Chatbots in Antworten zitiert zu werden“, erklärt der Trendmonitor.

  • 88 % sehen GEO als wachsende Strategie
  • Nur 39 % bewerten klassische SEA als wachsend

Marktwachstum laut OVK-Prognose 2026

Die parallel auf der DMEXCO vorgestellte Herbstprognose des Online-Vermarkterkreises (OVK) liefert harte volkswirtschaftliche Daten. Das Gesamtvolumen für Display-, Video- und Connected-TV-Werbung in Deutschland wird 2026 auf knapp 9 Mrd. Euro geschätzt – ein Zuwachs von 13,8 % gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits +12 % (Q1) und +15 % (Q2) im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen verzeichnet.

  • Prognostizierter Gesamtumsatz 2026: ca. 9 Mrd. Euro
  • Wachstum 2026 inkl. CTV: 13,8 %
  • Q1 2026: +12 % gegenüber Vorjahr
  • Q2 2026: +15 % gegenüber Vorjahr

Plattform-Macht und ID-Herausforderungen

Mehr als 80 % der Agenturen bewerten die Dominanz globaler Plattformen als kritisch. Gleichzeitig sehen 92 % einheitliche Datenansätze als erfolgskritisch an, während 69 % digitale IDs als zentrales Steuerungsinstrument nennen. Die Fragmentierung durch fehlende First-Party- und ID-Lösungen sowie die regulatorischen Unsicherheiten des Digital Markets Act erschweren eine kanalübergreifende Reichweitenmessung.

„Damit lokale und europäische Anbieter im internationalen Werbemarkt Schritt halten können, sollten sie ihre Kräfte zukünftig stärker bündeln“, erklärt Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer von Die Mediaagenturen e. V.

  • >80 % kritisieren Plattform-Dominanz
  • 92 % fordern einheitliche Datenansätze
  • 69 % setzen auf digitale IDs
  • Fragmentierung und DMA-Unsicherheiten als Risiken

Schnellüberblick:

Was bedeutet GEO im Kontext des BVDW-Trendmonitors?

GEO steht für „Generative Engine Optimization“. Es beschreibt die Optimierung von Inhalten, um von generativen KI-Suchsystemen und Chatbots (wie ChatGPT oder Google Gemini) in Antworten zitiert und als Empfehlung ausgespielt zu werden – als Weiterentwicklung der klassischen SEO.

Warum verliert Digital Video mittelfristig seine Spitzenposition?

Agenturen sehen in drei bis fünf Jahren neue Interaktionsformen, KI-generierte Werbeformate sowie Retail-Media-Touchpoints im Aufwind. Zudem erschwert die Zersplitterung des Video-Inventars über zahlreiche Streaming-Dienste die kanalübergreifende Wirkungsmessung.

Wie stark ist KI schon heute in der Werbebranche etabliert?

63 % der Mediaagenturen nutzen KI bereits zur Prozessautomatisierung im Alltag. Gleichzeitig rechnen 90 % damit, dass KI-Kompetenzen zukünftig entscheidend für die wettbewerbsfähige Arbeit werden (BVDW 2026).

Quellen

Von Michael Hartmann

Michael ist E-Business-Consultant mit Schwerpunkt digitale Transformation in mittelständischen Unternehmen. Er erklärt, wie klassische Firmen erfolgreich den Schritt ins Online-Geschäft schaffen und dabei Prozesse effizient digitalisieren.