Im Margendruck des Großhandels entscheidet die operative Effizienz. Durch den Einsatz von KI-gestützter Dokumentenverarbeitung und einer Clean-Core-Architektur auf der SAP Business Technology Platform (BTP) können Bestellbestätigungen und Lieferavise automatisiert verarbeitet werden. Das verkürzt Durchlaufzeiten, senkt Fehlerkosten und stabilisiert die Lieferkette – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für technische Großhändler wie Richter+Frenzel.

KI-gestützte Dokumentenverarbeitung im Procure-to-Pay

Die manuelle Bearbeitung von unstrukturierten Einkaufsdokumenten (PDF-Bestellbestätigungen, uneinheitliche Lieferavise) verursacht hohe Prozesskosten. Moderne KI-gestützte OCR-Engines reduzieren die Fehlerquote bei Positions- und Rabatterkennung signifikant. Laut den vorliegenden Daten sinkt der Anteil manueller Nachbearbeitungsaufwände bei Belegen bis 2025 um 85-90 % im Vergleich zu rein regelbasierten OCR-Systemen.

  • Automatisierte Einleserate erhöht Datenqualität.
  • Abweichungen werden schneller erkannt.
  • Revisionssichere Datenbasis im SAP-System.

Quote von Andreas Kunz, Leiter Bestandsmanagement und KVP

„Noch vor einigen Jahren mussten wir jede Auftragsbestätigung, die damals üblicherweise per Fax reinkam, händisch ins System eingeben. Mit dem FIS-Monitor für Bestellbestätigungen konnten wir diesen Schritt digitalisieren und automatisieren.“

Clean-Core-Entwicklung auf der SAP BTP

Die Auslagerung von Prozesslogik auf die SAP BTP entlastet den ERP-Kern nach dem Clean-Core-Prinzip. Kundenspezifische Modifikationen im klassischen ERP-Kern (ABAP-Entwicklungen) führen historisch zu hohen Folgekosten bei Software-Upgrades. Durch die Entkopplung über Side-by-Side-Services wird die automatische Update-Fähigkeit gesichert und planbare Betriebskosten ermöglicht.

  • Durchschnittliche Verkürzung der Projektlaufzeiten um 31 % (IDC-Benchmark 2022).
  • Produktivitätssteigerung der IT- und Entwicklungsteams um 19 % (IDC-Benchmark 2022).
  • Jährliche Wartungskosten für Altanpassungen vor Clean-Core-Harmonisierung: 800.000 USD (ASUG/Pillir 2024).

Quote von Daniel Stemig, Head of Enterprise Information Management bei FIS

„Wir liefern die Updates mehrmals im Jahr mit einer entsprechenden Information Out-of-the-Box aus. Für Richter+Frenzel bedeutet das, dass große Release-Wechsel obsolet werden und Testaufwände entfallen.“

Strategische Vorteile und potenzielle Risiken

Die Kombination aus KI-Dokumentenerfassung und Clean-Core-Architektur liefert klare betriebswirtschaftliche Vorteile, birgt jedoch auch Risiken, die beachtet werden müssen.

Wirtschaftliche Vorteile

  • Reduzierte Durchlaufzeiten im Beschaffungsprozess.
  • Weniger Fehlerkosten durch höhere Datenqualität.
  • Planbare Wareneingänge dank digitaler Lieferavise (DESADV/ASN).

Risiken und Gegenmaßnahmen

  • Abhängigkeit von Datenqualität und Übertragungsformaten der Lieferanten – ein aktives Lieferanten-Onboarding bleibt unverzichtbar.
  • Laufende BTP-Nutzungs- und API-Konsumkosten transformieren CAPEX in kontinuierliche OPEX; ein präzises Lizenz- und Transaktions-Monitoring ist erforderlich.

Praxisbeispiel Richter+Frenzel

Richter+Frenzel, ein führender technischer Großhändler mit 190 Standorten, hat im Zuge der SAP S/4HANA-Transition die Cloud-Lösungen FIS/edc für Bestellbestätigungen und Lieferavise implementiert.

  • Projektstart: Oktober 2024, Pilotbetrieb ab Juni 2025 an drei Standorten.
  • Abschluss des Pilotprojekts: Februar 2026, Rollout auf alle Standorte geplant.
  • Verbraucher-Account auf der SAP BTP verbindet die SaaS-Lösungen über einen Cloud-Connector mit dem Kern-ERP.

Durch die Cloud-Lösung konnte das Beschaffungsteam die manuelle Nacharbeit deutlich reduzieren und die Datenqualität erhöhen. Die enge Zusammenarbeit von Logistik und Beschaffung wird durch digitale Lieferavise unterstützt, wodurch Wareneingänge besser planbar und die Lieferkette zuverlässiger wird.

Quote von Alexander Braun, operativer Projektleiter Beschaffung

„Wir haben nach und nach getestet, Dinge umgesetzt und gegengetestet. Bereits im Juni 2025 gingen FIS/edc für Bestellbestätigungen und Lieferavise jeweils in der Cloud an drei Standorten live.“

Schnellüberblick:

Was bedeutet das ‚Clean-Core‘-Prinzip für Großhändler wie Richter+Frenzel?

Der zentrale ERP-Standard (SAP S/4HANA) bleibt frei von individuellen Quellcode-Modifikationen. Zusatzfunktionen laufen entkoppelt auf der SAP BTP, wodurch Software-Updates ohne monatelange Testphasen eingespielt werden können.

Welche operative Rolle spielen digitale Lieferavise (DESADV/ASN) in der Logistik?

Sie kündigen genaue Mengen, Packstücke und Lieferzeitpunkte vorab im System an. Dadurch kann das Lagerpersonal Wareneingänge und Torbelegungen vorab disponieren, was Standzeiten reduziert und Einlagerungen beschleunigt.

Wie hoch ist die erwartete Reduktion manueller Nachbearbeitungsaufwände?

Bis 2025 wird ein Anteil automatisierter Durchläufe von 85-90 % erwartet, gemessen an der Umstellung von regelbasierten OCR-Systemen auf KI-basierte Belegextraktion.

Welche Kosteneinsparungen ergeben sich durch die Clean-Core-Strategie?

Vor der Harmonisierung lagen die jährlichen Wartungskosten für Altanpassungen bei etwa 800.000 USD (2024). Durch die Entkoppelung von Erweiterungen über die SAP BTP entfallen diese Kosten weitgehend.

Quellen

Von Anna Weber

Anna ist Spezialistin für digitales Marketing und Markenaufbau im Online-Bereich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Social Media Strategien, Content-Marketing und Influencer-Kooperationen. Ihre Beiträge helfen Unternehmen dabei, ihre Zielgruppe besser zu verstehen und nachhaltig zu wachsen.