Im dritten Quartal 2026 hat Westwing ein bemerkenswertes Umsatzplus von 12,5 % auf 111,4 Millionen Euro erzielt. Das Wachstum wird vor allem von drei miteinander verflochtenen Trends getragen: Das Fremdmarkengeschäft expandierte mit 13 % deutlich schneller als die Eigenmarke Westwing Collection, höhere Logistik- und Transportkosten drückten die bereinigte EBITDA-Marge auf 5,8 % und die internationale Expansion außerhalb der DACH-Region trug zu einem Umsatzplus von 21,5 % bei. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie Online-Möbelhändler im angespannten Konsumumfeld zwischen Kundengewinnung, Preis-Sensitivität und operativer Rentabilität balancieren müssen.
Fremdmarken wachsen schneller als die Eigenmarke
Wie aus der offiziellen Quartalsmitteilung hervorgeht, wuchs das Fremdmarkengeschäft um 13 % – mehr als dreimal so schnell wie die Eigenmarke, die lediglich um 4 % zulegte. Der Anteil der Westwing Collection am Bruttowarenvolumen (GMV) sank von 66 % im Vorjahr auf 64 % im Quartal. Gleichzeitig legte das Fremdmarkengeschäft einen stärkeren Beitrag zum zusätzlichen GMV bei.
“Die Nachfrage wurde neben der geografischen Expansion auch durch wiederkehrende Verkaufsaktionen unterstützt”, heißt es in der Mitteilung. Die Verschiebung hin zu Fremdmarken spiegelt sich ebenfalls im Kaufverhalten wider.
Die Verschiebung hin zu Fremdmarken spiegelt sich auch im Kaufverhalten wider. Wie aus der offiziellen Quartalsmitteilung hervorgeht, wuchs die Zahl der aktiven Kunden um 13 Prozent auf 1,316 Millionen, während die Bestellungen um neun Prozent auf 499.000 anzogen (EQS-News/Westwing, 2026). Gleichzeitig sank der durchschnittliche Bestellwert jedoch leicht von 252 auf 247 Euro. Die hohe Kundenresonanz auf Sonderverkäufe und Drittmarken zeigt, dass Kundinnen und Kunden aktuell preissensibler agieren und gezielt Promotionen nutzen, statt hochpreisige Eigenkollektionen auf Vorrat zu kaufen.
Kostendruck belastet die Marge
Die bereinigte EBITDA-Marge fiel trotz zweistelligem Umsatzwachstum auf 5,8 %. Wesentliche Ursachen waren höhere Transport- und Warenabwicklungskosten, die sich aus steigenden Treibstoffpreisen, temporären Folgen der IT-Umstellung und den Anlaufkosten für die Logistik in Großbritannien ergaben. Die Bruttomarge sank auf 51,2 %, während die Kostenquote für die Auftragsabwicklung auf 21,6 % anstieg.
Das Unternehmen reagierte mit Preisanpassungen, höheren Versandgebühren und Effizienzmaßnahmen. Erste Erholungseffekte seien bereits im Oktober 2026 sichtbar.
Geografische Expansion und Markenstärkung durch Design-Kooperationen
Westwing dehnte seine internationale Präsenz im dritten Quartal um fünf neue europäische Märkte (Estland, Lettland, Litauen, Irland und Bulgarien) aus – damit auf insgesamt 28 Länder. Das konzernweite GMV wuchs um 7 % auf 123 Millionen Euro, das fünfte Wachstumsquartal in Folge.
Zur Sicherung der Premium-Positionierung trotz vermehrter Rabattaktionen hat das Management eine exklusive Design-Kooperation mit Victoria Beckham für den Home-and-Living-Bereich angekündigt.
Konkretisierung der Jahresprognose: Oberes Ende der Spanne anvisiert
Das Management bekräftigte die Gesamtjahresprognose für 2026 (Umsatz 470 bis 495 Millionen Euro) und stellte das Erreichen der oberen Hälfte dieser Spanne in Aussicht. Nach neun Monaten liegt der kumulierte Umsatz bei 344,6 Millionen Euro, ein Wachstum von 12,6 % im Neun-Monats-Vergleich.
Der 9-Monats-EBITDA beträgt 21,5 Millionen Euro, nahezu unverändert zum Vorjahr, wobei die Marge von 7,0 % auf 6,2 % sank.
Verändertes Konsumverhalten: Höhere Bestellfrequenz bei sinkendem Warenkorbwert
Im Q3 2026 stieg die Zahl der aktiven Kunden auf 1,316 Millionen (+13 % gegenüber Q3 2025) und die Bestellungen auf 499.000 (+9 % im Jahresvergleich). Der durchschnittliche Warenkorbwert fiel jedoch um 2 % auf 247 Euro. Diese Entwicklung weist auf eine zunehmende Preissensibilität und das verstärkte Nutzen von Rabattaktionen hin, was gleichzeitig den Handling- und Verpackungsaufwand pro umgesetztem Euro erhöht und die Marge belastet.
Schnellüberblick:
Warum wächst das Fremdmarkengeschäft bei Westwing derzeit schneller als die Eigenmarke?
Verbraucher reagieren sensibler auf Preise und nutzen verstärkt temporäre Verkaufs- und Rabattaktionen etablierter Fremdmarken, während langlebige Möbel der Eigenmarke zurückhaltender nachgefragt werden.
Welche neuen Länder treiben das internationale Umsatzplus von 21,5 %?
Westwing expandierte im dritten Quartal 2026 nach Irland, Bulgarien sowie in die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, womit die Plattform in insgesamt 28 europäischen Märkten aktiv ist.
Wie will Westwing dem Margenverfall im vierten Quartal begegnen?
Das Unternehmen steuert mit selektiven Preisanpassungen, angehobenen Versandgebühren sowie Logistikoptimierungen wie der Bündelung im Zentrallager in Polen gegen; laut Management zeigten sich bereits im Oktober 2026 erste Erholungseffekte.
Quellen
- https://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/eqs-news-westwing-group-se-westwing-verzeichnet-trotz-des-anhaltend-schwierigen-marktumfelds-das-fuenfte-wachstumsquartal-in-folge
- https://www.finanznachrichten.de

