Ein transparenter Warenkorb aus Glas mit Elektronik, Kleidung und Haushaltswaren steht auf einem Schreibtisch neben einem

Google hat mit dem Universal Cart einen neuen, KI-gestützten Warenkorb eingeführt, der über die Google-Suche und die Gemini-App funktioniert. Der Dienst bündelt Produkte verschiedener Online-Shops in einer einzigen Übersicht, reduziert Kaufabbrüche und bleibt dabei für Händler der offizielle Vertragspartner. Damit markiert Google den Übergang von reiner Produktsuche zu einem agentenbasierten E-Commerce, der gleichzeitig die Datenhoheit der Händler wahrt.

Universal Cart: Der neue zentrale Warenkorb für Suche und Gemini

Der Universal Cart sammelt Angebote aus mehr als 60 Milliarden Produkt-Einträgen des Google Shopping Graphs. Täglich nutzen über eine Milliarde Menschen die Shopping-Interaktionen auf Google, um Produkte zu entdecken und zu vergleichen. Zu den ersten Unterstützern zählen bekannte Marken wie Nike, Walmart und Shopify. Durch die Integration in die Google-Suche und die Gemini-App können Nutzer Produkte nahtlos über mehrere Geräte hinweg im selben Warenkorb verwalten.

Zitat: “Google bündelt Produkte verschiedener Shops in einem zentralen Warenkorb für Nutzer.” (Quelle: Caschys Blog, 2026)

Zwei Checkout-Pfade und das Merchant-of-Record-Prinzip

Für Händler bleibt das “Merchant-of-Record”-Prinzip erhalten: Der Händler bleibt offizieller Vertragspartner, stellt die Rechnung aus, übernimmt Versand, Gewährleistung und Kundensupport. Verbraucher haben dabei zwei Möglichkeiten, den Kauf abzuschließen:

  • Direkter Abschluss über Google Pay mittels des Universal Commerce Protocol (UCP).
  • Übertragung des vorab befüllten Warenkorbs per Klick in das Shopsystem des Händlers, wo die gesamte Abwicklung fortgeführt wird.

Der Ansatz soll die branchenweite Warenkorb-Abbruchquote senken, ohne etablierte Kundenbeziehungen zu kappen.

Zitat: “Für Online-Händler entschärft Google eine der größten Befürchtungen im Plattform-Geschäft: Trotz der Bündelung in Suche und Gemini bleibt das jeweilige Unternehmen der offizielle Vertragspartner (Merchant of Record).” (Ganapathy, 2026)

Interoperabilität des Universal Commerce Protocol (UCP)

Das Universal Commerce Protocol ist ein quelloffener Standard, der nicht nur von Google, sondern auch von über 20 globalen Partnern unterstützt wird. Zu den wichtigsten Integrationspartnern gehören Adyen, Stripe, Walmart, Shopify, Mastercard und American Express. UCP arbeitet mit den offenen Protokollen Agent Payments Protocol (AP2) und Model Context Protocol (MCP) zusammen und ermöglicht es KI-Agenten, sichere Kaufmandate zu erteilen sowie Bestände zu reservieren. Händler können über standardisierte Schnittstellen wie dev.ucp.shopping.cart auf die Funktionen zugreifen.

  • Offener Standard, kein proprietäres Einzelsystem.
  • Interaktion mit AP2 und MCP für kryptografisch abgesicherte Kaufaufträge.
  • Mehr als 20 Partner aus den Bereichen E-Commerce und Zahlungsabwicklung.

Regulatorische Hürden und die europäische Expansions-Roadmap

Nach dem US-Rollout plant Google die Einführung in Kanada, Australien und das Vereinigte Königreich im Jahr 2026. Für die Europäische Union stellt der Digital Markets Act (DMA) eine erhebliche Hürde dar: Die Vorgaben zu digitalen Gatekeepern und das Verbot von Selbstbevorzugung erschweren einen schnellen Start. Ein konkreter Zeitplan für Deutschland oder die EU wurde bisher nicht veröffentlicht.

Die Roadmap sieht daher zunächst folgende Märkte vor:

  • Kanada
  • Australien
  • Vereinigtes Königreich

Erst nach einer Prüfung der DMA-Auflagen könnte ein europäischer Rollout in Aussicht kommen.

Chancen und Risiken für Händler

Der Universal Cart bietet Händlern einen zusätzlichen Zugangspunkt zu Kunden, der von Googles enormer Sichtbarkeit und Datenbasis profitiert. Gleichzeitig gibt es jedoch kritische Punkte:

  • Abhängigkeit vom Google-Ökosystem: Wenn Kaufentscheidungen vollständig in Gemini und Search vorselektiert werden, kann organischer Traffic zu Onlineshops sinken, was Cross-Selling-Strategien und Markenbildung beeinträchtigt.
  • EU-Regulierung (DMA): Die Bündelung von Suche, Warenkorb und Zahlungsabwicklung birgt kartellrechtliche Risiken der Selbstbevorzugung, weshalb europäische Händler vorsichtig bleiben sollten.

Schnellüberblick:

Wer ist bei einem Kauf über den Universal Cart mein Vertragspartner?

Der jeweilige Händler bleibt stets der offizielle Vertragspartner (Merchant of Record). Er stellt die Rechnung aus, führt den Versand durch und übernimmt Gewährleistung sowie Kundensupport.

Müssen Händler ihren Checkout zwingend an Google Pay abtreten?

Nein. Neben dem nativen UCP-Direktkauf über Google Pay können Warenkörbe auch per Link mit allen vorkonfigurierten Artikeln direkt in den Onlineshop des Anbieters übergeben werden.

Wann ist mit einem Start des Universal Cart in Deutschland zu rechnen?

Ein Zeitplan für die EU existiert derzeit nicht. Nach den USA sind zunächst Kanada, Australien und das Vereinigte Königreich vorgesehen, da in der EU kartellrechtliche Vorgaben des DMA zuvor geprüft werden müssen.

Quellen

Von Anna Weber

Anna ist Spezialistin für digitales Marketing und Markenaufbau im Online-Bereich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Social Media Strategien, Content-Marketing und Influencer-Kooperationen. Ihre Beiträge helfen Unternehmen dabei, ihre Zielgruppe besser zu verstehen und nachhaltig zu wachsen.