Ein KI-Server-Rack mit blauen LEDs steht im modernen Logistik-Center neben einem autonomen Roboter-Trolley und offenen

OTTO hat seine KI-Strategie von einer reinen Sensibilisierungsphase zu einer operativen Prozessverankerung weiterentwickelt. Nach dem erfolgreichen Aufbau von mehr als 110 GenAI-Ambassadoren im Jahr 2025 folgt nun das zweite Kapitel: das GenAI-Enablement-Partner-Programm. In diesem Artikel werden die Kernpunkte des Programms, die statistischen Grundlagen und die übergeordneten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft beleuchtet.

OTTOs mehrstufige KI-Strategie – von der Sensibilisierung zur Prozessintegration

Im Jahr 2025 schulte OTTO rund 110 Mitarbeitende im Rahmen des GenAI-Ambassadoren-Programms. Ziel war es, Wissensbarrieren im Unternehmen abzubauen und erste KI-Impulse zu setzen. Diese Phase markierte die Sensibilisierung und legte den Grundstein für die nachfolgende Phase der aktiven Nutzung.

Das Programm ergänzt die bisherige Arbeit der GenAI-Ambassadoren.

Der Aufbau der GenAI-Enablement-Partner durch OTTO baut auf einer mehrstufigen Strategie auf. Bereits 2025 hatte das E-Commerce-Unternehmen rund 110 Mitarbeitende in GenAI-Ambassadoren-Positionen ausgebildet, um Wissensbarrieren im KI-Alltag abzubauen. Die aktuellen Enablement-Partner sind nun eine Vertiefung: Sie begleiten Anwender direkt in der Umsetzung und vermitteln methodisches Wissen für konkrete Geschäftsprozesse. Unterstützt werden sie dabei durch eigens entwickelte Lösungen wie ‚ogGPT‘ sowie einen konsolidierten Fundus von über 70 bereits identifizierten KI-Anwendungsfällen (Dupré, 2025).

Damit geht OTTO von der reinen Wissensvermittlung zu einer konkreten Integration von KI in operative Abläufe über.

GenAI-Enablement-Partner: Rolle, Ausbildung und Zeitbudget

Im Jahr 2026 wurden 37 Mitarbeitende zu GenAI-Enablement-Partnern qualifiziert. Die Auswahl erfolgte über Nominierung oder Selbstbewerbung, gefolgt von persönlichen Auswahlgesprächen. Die Fachkräfte absolvieren in zwei Kohorten eine fünftägige Bitkom-Schulung, die mit einem Zertifikat abschließt. Nach Abschluss erhalten sie die Zusage, mindestens ein Fünftel (20 %) ihrer wöchentlichen Arbeitszeit für KI-Prozesse in den Fachbereichen zu verwenden.

„Aus Wissen über KI konkrete Wertschöpfung entstehen zu lassen, ist unser Kernziel“, betont Saskia Dupré, Program Manager GenAI bei OTTO.

  • Teilnehmerzahl: 37 Personen (2026)
  • Schulungsdauer: 5 Tage
  • Zeitbudget für KI-Aufgaben: mindestens 20 % der Arbeitszeit

Dieses feste Zeitbudget stellt sicher, dass die Partner nicht nur Berater, sondern aktive Umsetzer innerhalb der Fachabteilungen sind.

Operative Nutzung: KI-Use-Cases-Repository und konkrete Anwendungsfelder

Ein zentrales Element des Enablement-Programms ist das interne KI-Use-Cases-Repository. Bis 2025 wurden über 70 potenzielle Anwendungsfälle identifiziert, die nach Relevanz priorisiert werden. Die Enablement-Partner greifen auf dieses Fundus zurück, um bereits validierte Ideen schnell in den jeweiligen Fachbereichen zu skalieren.

  • Identifizierte KI-Anwendungsfälle: 70 +
  • Jahr der ersten Bewertungsphase: 2025

Durch die transparente Darstellung der Use Cases wird die Priorisierung klarer und die Kommunikation über den erwarteten Mehrwert für Prozesse und Zusammenarbeit erleichtert.

Branchenspezifische KI-Kompetenzlücken in der deutschen Wirtschaft

OTTOs Vorgehen steht im Kontext einer breiteren Herausforderung: Laut einer Bitkom-Studie aus 2026 nutzen bereits 57 % der deutschen Unternehmen KI, doch 87 % schätzen das Potenzial kaum aus. Hauptgründe sind fehlendes Technologie- und Prozesswissen sowie mangelnde Zeitressourcen.

  • Anteil der Unternehmen mit KI-Einsatz: 57 % (2026)
  • Unternehmen, die das KI-Potenzial kaum ausschöpfen: 87 % (2026)

Das OTTO-Modell mit gezielter Schulung, definierter Zeitzuweisung und klaren Rollen bietet eine mögliche Blaupause für andere Unternehmen, die ähnliche Hürden überwinden wollen.

Risiken und Herausforderungen des Enablement-Modells

Die Einführung einer neuen Rollenstruktur birgt potenzielle Konflikte:

  • Rollenkonflikte: Die 20-prozentige Zeitgarantie erfordert eine sorgfältige Kapazitätsplanung, um Engpässe in den operativen Aufgaben zu vermeiden.
  • Messbarkeit und Erfolgskontrolle: Der Nutzen von KI-Projekten lässt sich häufig nur lokal, nicht aber in klaren ROI-Zahlen darstellen, was die Bewertung des Gesamteffekts erschwert.

Trotz dieser Risiken liefert das Programm einen strukturierten Ansatz, um KI von der Experimentierphase in die reguläre Wertschöpfung zu überführen.

Schnellüberblick:

Was unterscheidet OTTOs Enablement-Partner von ihren KI-Ambassadoren?

Die Ambassadoren schulten vor allem im grundlegenden KI-Wissen und boten erste Projekte. Enablement-Partner sind für die konkrete Operationalisierung von KI-Use Cases in Geschäftsprozessen zuständig und verfügen über Zeitressourcen.

Hat OTTO eigene KI-Lösungen?

Ja, OTTO setzt unter anderem auf sein selbst entwickeltes Tool ‚ogGPT‘, über das konzerninterne und datenschutzkonforme Prozesse mit KI abgewickelt werden.

Quellen

Von Melanie Brandt

Melanie ist Content- und SEO-Spezialistin im E-Commerce. Sie zeigt, wie durch gezielte Inhalte und Keyword-Strategien nachhaltiger organischer Traffic aufgebaut werden kann.