Die Deutsche Telekom hat auf ihrem Investorentag 2026 eine ambitionierte KI- und Automatisierungsstrategie vorgestellt, die bis 2030 sowohl die indirekten Jahreskosten um rund 2,5 Milliarden Euro senken als auch den KI-Umsatz im B2B-Segment außerhalb der USA auf 800 Millionen Euro steigern soll. Die Initiative verbindet Kosteneffizienz mit neuen Erlösquellen und verknüpft technische Innovationen im Netzbetrieb, im Kundenservice und in der internen Arbeitsweise mit einer gezielten Rückführung von Einsparungen in die Netzinfrastruktur.
Ziele der KI- und Automatisierungsstrategie
Die wichtigsten Zielgrößen der Telekom bis zum Jahr 2030 lauten:
- Senkung der indirekten Jahreskosten um 2,5 Mrd. Euro gegenüber dem Basisjahr 2023.
- Erreichung eines KI-bezogenen B2B-Umsatzes von 800 Mio. Euro außerhalb der USA (gegenüber 250 Mio. Euro im Jahr 2026).
- Zwischenziel von 1,1 Mrd. Euro Bruttoeinsparungen bis 2027.
Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Telekom, betont:
„KI ist ein grundlegender Veränderungsfaktor für den Konzern.“
Diese Aussage verdeutlicht, dass KI nicht nur als Kosten-Cut-Tool, sondern als Kernbestandteil der zukünftigen Geschäftsstrategie verstanden wird.
Operative Kennzahlen im Netzbetrieb
Im Mobilfunknetz setzt die Telekom auf den spezialisierten „RAN Guardian Agent“, ein KI-Modell, das Netzlasten vorausschauend erkennt und steuert. Dadurch hat sich die Bearbeitungszeit von Netzüberlastungs-Ereignissen von mehreren Stunden auf rund eine Minute verkürzt (geplant für 2026). Zusätzlich reduziert die prädiktive Fehlerkorrektur bei Neuanschlüssen die Kundenbeschwerden um 30 % im selben Jahr.
- Bearbeitungszeit von Netzüberlastungen: von mehreren Stunden auf ca. 1 Minute (2026).
- Reduktion von Kundenbeschwerden bei Neuanschlüssen: -30 % (2026).
KI im Kundenservice: Chatbots und Kontaktquoten
Im Kundenservice zeigt die Automatisierung bereits messbare Effekte. Der Chatbot „Frag Magenta“ übernahm im ersten Halbjahr 2026 rund 2,6 Millionen Anrufe. In den USA, wo die Telekom-Tochter T-Mobile operiert, sank das Volumen regulärer Kundenanrufe um 55 % und 40 % aller Kundenkontakte werden von KI-Agenten bearbeitet.
- Bearbeitete Anrufe durch „Frag Magenta“: 2,6 Mio. (H1 2026).
- Rückgang regulärer Anrufe bei T-Mobile US: -55 % (2026).
- Automatisierter Kontaktanteil bei T-Mobile US: 40 % (2026).
Mitarbeiterbefähigung und interne KI-Tools
Statt KI als isolierte Insellösung zu betreiben, rollt die Telekom unternehmensweite Assistenten wie das eigens entwickelte „AskT“ sowie lizenzierten Großmodelle aus. Bis 2026 sollen mehr als 100.000 Beschäftigte in der Nutzung dieser Werkzeuge geschult sein, um Routineaufgaben in Verwaltung, Softwareentwicklung und Service zu beschleunigen.
- KI-geschulte Mitarbeitende: über 100.000 (2026).
Reinvestition der Einsparungen in Netzinfrastruktur
Ein Teil der Bruttoeinsparungen wird gezielt zurück in die physische Infrastruktur geleitet. Für den Zeitraum 2023-2027 sollen 100 bis 150 Millionen Euro aus den KI-Gewinnen in den FTTH-Glasfaserausbau in Deutschland sowie in die IT-Modernisierung fließen. Diese Rückführung erklärt, warum die Gesamtgewinnprognose trotz hoher Einsparungsziele nicht sprunghaft ansteigt, sondern die Kerninfrastruktur weiter finanziert wird.
- Reinvestition in Netzausbau und IT-Modernisierung: 100-150 Mio. Euro (2023-2027).
B2B-Wachstum durch die Industrial AI Cloud
Der Umsatztreiber im B2B-Segment ist die „Industrial AI Cloud“ in München, die gemeinsam mit Nvidia betrieben wird. Sie bietet europäischen Mittelständlern souveräne KI-Infrastruktur und erfüllt Anforderungen an Datenschutz- und Datensouveränität. Das angestrebte Wachstum von über dem Dreifachen (250 Mio. Euro 2026 → 800 Mio. Euro 2030) soll das klassische Telekom-Geschäft ergänzen.
- Ziel-Wachstumsfaktor B2B-KI-Umsatz (ex-USA): > 3× (2026-2030).
- Umsatz 2026: 250 Mio. Euro, Ziel 2030: 800 Mio. Euro.
Risiken und Gegenmaßnahmen
Die Strategie birgt gleichzeitig Risiken. Zum einen bleibt die konkrete Auswirkung der Einsparungen auf Beschäftigungszahlen unklar, da das Management beim Investorentag keine Angaben zu möglichen Stellenstreichungen gemacht hat – ein Aspekt, der bei der US-Tochter bereits zu Tausenden von Jobverlusten führte. Zum anderen können hohe Automatisierungsquoten von 40-55 % zu Service-Qualitätsproblemen führen, wenn komplexe Anfragen nicht adäquat an menschliche Berater übergeben werden. Schließlich mindern hohe KI-Infrastruktur- und Lizenzkosten den Netto-Effekt der Bruttoeinsparungen.
Schnellüberblick:
Wohin fließen die durch KI eingesparten Milliardenbeträge?
Ein Teil der Einsparungen (100-150 Mio. Euro für 2023-2027) wird direkt in den Glasfaserausbau (FTTH) und die IT-Modernisierung investiert, um die Gesamtprognose zu halten.
Wie genau verdient die Telekom mit KI zusätzliches Geld im B2B-Bereich?
Der Haupttreiber ist der Verkauf souveräner KI-Infrastruktur, insbesondere die „Industrial AI Cloud“ in München, die zusammen mit Partnern wie Nvidia europäische Mittelständler mit dedizierten Automatisierungsplattformen versorgt.
Wie wirkt sich die KI-Nutzung direkt auf das Mobilfunknetz aus?
Durch KI-Modelle wie den „RAN Guardian Agent“ werden drohende Funkzellen-Überlastungen vorausschauend erkannt; die Reaktions- und Steuerungszeit sank von mehreren Stunden auf etwa eine Minute.
Quellen
- https://www.telekom.com/de/medien/medieninformationen/detail/ki-investorentag-2026-1074128
- https://www.techbook.de/business/telekom-ki-milliarden-investorentag
- https://de.investing.com/news/stock-market-news/telekom-aktie-ki-soll-25-mrd-sparen-2784512
- https://www.leadersnet.de/news/ki-investorentag-telekom-bonn-2026

