Am 17. September 2026 wurde Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) und Lehrstuhlinhaberin für Förder- und Lagerwesen an der TU Dortmund, in das vierköpfige Direktorium des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz berufen. Die Ernennung verbindet ihre langjährige Praxis in der industriellen Intralogistik mit ihrer Expertise in KI-Methoden und stärkt damit die Brücke zwischen theoretischer Forschung und der physischen Umsetzung autonomer Flotten und logistischer Lieferketten – einem zentralen Nerv der deutschen Industrie.
Berufung und institutionelle Zusammensetzung des Direktoriums
Das Lamarr-Institut wird von vier Trägern gemeinsam getragen: der Technischen Universität Dortmund, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie den Fraunhofer-Instituten IAIS (Intelligente Analyse- und Informationssysteme) und IML (Materialfluss und Logistik). Das Direktorium besteht aus Prof. Dr. Jakob Rehof (TU Dortmund), Prof. Dr. Stefan Wrobel (Universität Bonn), Prof. Dr. Christian Bauckhage (Fraunhofer-Gesellschaft) und nun Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim. Durch ihre Doppelrolle in Forschung und Industrie ergänzt sie das Gremium gezielt um Praxis- und Hardware-Know-how.
Finanzierung und Status als nationales KI-Kompetenzzentrum
Das Lamarr-Institut ist eines von fünf universitären KI-Kompetenzzentren, die im Rahmen der KI-Strategie der Bundesregierung dauerhaft verstetigt wurden. Bund und Land Nordrhein-Westfalen stellen bis 2028 gemeinsam 126 Millionen Euro für den Aufbau und die Infrastruktur bereit. Zusätzlich fließen jährlich 50 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in alle fünf KI-Kompetenzzentren ein, wobei die einzelnen Länder ergänzend kofinanzieren.
- Gemeinsame Fördersumme Bund + NRW: 126 Mio. € (2022-2028)
- Jährliche Bundesförderung für KI-Kompetenzzentren: 50 Mio. € (seit 2022)
- Fraunhofer-Netzwerk: 75 Institute mit rund 32.000 Mitarbeitenden (Stand 2026)
Die finanzielle Sicherheit ermöglicht langfristige Forschungsprogramme, den Aufbau von Test- und Demonstrationsanlagen sowie den gezielten Technologietransfer in die mittelständische Wirtschaft.
Forschungsschwerpunkt: Embodied AI und Multi-Kriterien-Steuerung
Im Zentrum von Kirchheims Arbeit steht das Konzept der „Embodied AI“ – KI, die nicht nur Daten in Rechenzentren verarbeitet, sondern direkt in physischen Maschinen wie autonomen fahrerlosen Transportsystemen (FTS) oder Greifrobotern agiert und lernt. Neben klassischen Zielgrößen wie Kosten- und Durchsatzoptimierung werden künftig weitere Kriterien in den mathematischen Lösungsraum integriert:
- Energieeffizienz
- CO₂-Bilanz
- Robustheit gegenüber Lieferketten-Abrissen
- Verschleiß- und Wartungsoptimierung
Durch hybride Lernverfahren, die Reinforcement-Learning mit physikalischen Modellen verknüpfen, soll die Steuerung dynamischer Logistiksysteme sowohl ressourcenschonend als auch anpassungsfähig werden.
Risiken und Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Übertragung von Labor-Algorithmen in reale Hallenbetriebe birgt spezifische Hürden:
- Praxishürden: Reinforcement-Learning-Modelle für autonome Flurförderzeuge benötigen strenge Sicherheitszertifizierungen für den Mischbetrieb mit menschlichen Kommissionierern, was Implementierungszeiten verlängern kann.
- Fragmentierte IT- und Datenlandschaften: Hochdynamische Multi-Agenten-Systeme verlangen echtzeitfähige Sensorik und standardisierte Datenschnittstellen, die in Bestandsflotten und Lagerverwaltungssystemen (LVS) häufig fehlen.
Das enge Netzwerk von 75 Fraunhofer-Instituten bietet jedoch ein breites Spektrum an interdisziplinären Transferprojekten, um diese Barrieren zu adressieren.
Zitat von Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim
„Im Lamarr-Institut können wir neue KI-Methoden eng mit den konkreten Anforderungen komplexer Logistiksysteme verbinden. Aus diesem Austausch entstehen Forschungsfragen und Lösungen, die wissenschaftlich fundiert und unter realen Bedingungen überprüfbar sind“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim.
Schnellüberblick:
Welches Ministerium finanziert das Lamarr-Institut auf Bundesebene?
Die Förderung erfolgt im Rahmen der KI-Strategie der Bundesregierung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen. Das im Quelltext genannte „BMFTR“ existiert nicht.
Welche berufliche Vorgeschichte bringt Alice Kirchheim mit?
Nach ihrer Promotion an der Universität Bremen arbeitete sie mehrere Jahre in der Fördertechnik-Industrie, unter anderem bei der KION Group als Head of Estimation & Layout. Vor ihrer Rückkehr in die universitäre Forschung war sie in Professuren in Aalen und Hamburg tätig und übernahm 2024 die Leitung des Fraunhofer IML als Nachfolgerin von Prof. Michael ten Hompel.
Was bedeutet „Embodied AI“ im Kontext der Dortmunder Logistikforschung?
„Embodied AI“ beschreibt Künstliche Intelligenz, die nicht nur Daten auf Servern verarbeitet, sondern in physischen Maschinen – etwa autonomen fahrerlosen Transportsystemen oder Greifrobotern – direkt mit ihrer physikalischen Umwelt agiert und lernt.
Wie lange leitete Michael ten Hompel das Fraunhofer IML?
Michael ten Hompel leitete das Fraunhofer IML von 2000 bis zu seiner Emeritierung im April 2024 – insgesamt 24 Jahre.
Quellen
- https://www.iml.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/lamarr-institut-eroeffnung.html
- https://www.bmbf.de/bmbf/de/forschung/digitale-wirtschaft-und-gesellschaft/kuenstliche-intelligenz/ki-kompetenzzentren.html
- https://www.iml.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/neue-institutsleiterin-kirchheim.html
- https://www.iml.fraunhofer.de/en.html

