Im stark wachsenden E-Commerce entscheidet die Geschwindigkeit der Kommissionierung über die Marge. Manuelle Wege, unpassende Regalmodule und langwierige Retourenzyklen sind die kostenintensivsten Faktoren der Intralogistik. Durch gezielte Anpassung von Fachboden-Breite, -Höhe und einer prozessorientierten Lagerlogik lassen sich Laufwege verkürzen, Flächen besser ausnutzen und Retouren schneller wieder in den Pick-Bestand integrieren.

Warum Wegzeit und Flächenproduktivität entscheidend sind

Die wissenschaftlichen Erhebungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Kommissionierzeit und der Lagerkosten auf reine Wegzeiten entfällt:

  • Wegzeitanteil an der Kommissionierzeit: ca. 40-50 % (2024) – basierend auf VDI-Richtlinie 3590 und logistischen Zeitstudien (TUP/IGF-Vorhaben 18139N).
  • Durchschnittlicher Wegzeitanteil an der gesamten Auftragsabwicklungszeit: 48 % (2024) (Quelle S1).
  • Anteil der Kommissionierung an den operativen Lagerkosten: 50-70 % (2020) (Logistics Journal, Quelle S2).

Jeder eingesparte Meter wirkt sich unmittelbar auf die personalintensiven Stückkosten aus. Wie ein Experte betont: „Die reine Wegzeit bindet im Schnitt rund 48 % der gesamten Auftragsabwicklungszeit“.

Fachboden-Breite und -Höhe – handfeste Raumgewinne

Standardbehälter (KLT/Eurobehälter) haben Breiten von 300 mm oder 400 mm. Bei üblichen Fachböden von 1.300 mm entsteht pro Ebene ein ungenutzter Totraum von 100 mm. Durch den Einsatz von Sonderbreiten von 1.210 mm wird dieser Raum vollständig eliminiert.

  • Gewonnene Breite in der HBOD-Anlage: 2,90 m über die gesamte Hallenbreite.
  • Reduzierte Fachboden-Kantenhöhe von 40 mm auf 25 mm spart pro Ebene wertvolle Bauhöhe, wodurch zusätzliche Regalebenen möglich werden.

FAQ:

  • Warum bringen Fachböden mit Sonderbreite (1.210 mm) einen echten Raumgewinn? Klassische Standardbehälter besitzen Breiten von 300 mm oder 400 mm. Bei Standardböden von 1.300 mm bleibt ungenutzter Totraum von 100 mm pro Ebene, der durch die Auslegung auf 1.210 mm vollständig eliminiert wird.
  • Wie wirkt sich die Reduzierung von Fachboden-Kantenhöhen auf die Gesamtkapazität aus? Niedrigere Fachbodenprofile (z. B. 25 mm statt 40 mm) sparen pro Ebene wertvolle Bauhöhe ein, wodurch bei mehrgeschossigen Anlagen über die gesamte Hallenhöhe zusätzliche Regalebenen ohne Höhenverlust für das Handling realisiert werden können.

Prozessgesteuerte Lagerlogik statt reiner Stellplatzzahl

Die Lagerlogik verbindet Artikelstruktur, Zugriffsfrequenz, verfügbare Fläche und Prozessschritte. Statt die Halle nur nach Quadratmetern oder Stellplätzen zu planen, wird das Regal zum Teil des Prozesses:

„Der Prozess bestimmt, wie das Regal aussehen muss.“ – Aussage aus dem HBOD-Projekt.

Vier zentrale Faktoren bilden die Lagerlogik:

  • Artikel – Vorgabe von Fachgrößen und Tragfähigkeiten.
  • Fläche – Dichte des Lageraufbaus.
  • Zugriffshäufigkeit – Positionierung nach Pick-Bedarf.
  • Prozess – Wege und Übergaben, die tatsächlich anfallen.

Durch diese Ausrichtung werden nicht nur Stellplätze geschaffen, sondern effiziente Wege, die die Personalkosten bei Auftragsspitzen kontrollieren.

Fallstudie HBOD – 2.000 Fachbodenregalfelder in Praxis

HBOD, ein Multi-Brand-Fulfillment-Dienstleister, hat gemeinsam mit Schulte Lagertechnik ein neues Zentrallager entwickelt. Die wichtigsten Kennzahlen:

  • Rund 2.000 Fachbodenregalfelder mit sechs bzw. zwölf Ebenen.
  • Gesamtzahl von 18.690 Fachböden und ca. 225.000 Stellplätzen.
  • Einsatz von Sonderböden mit 1.210 mm Breite und 25 mm Kantenhöhe.
  • Integrierter Warenaufzug verbindet die Ebenen und unterstützt die Abläufe.

Das Ergebnis laut Projektbeschreibung: „Die neue Regalanlage reduziert Laufwege, erhöht die Einlagerungsmenge und verbessert die Abläufe bei der Einlagerung.“

Retourenmanagement als Treiber flexibler Strukturen

Deutschland weist im europäischen Vergleich hohe Retourenquoten auf. Die aktuelle Kennzahl beträgt:

  • 24,1 % B2C-Retourenquote (2022) – fast jedes vierte Paket wird zurückgesendet (Universität Bamberg, Europäischer Retourentacho).

Für Multi-Client-Fulfillment-Dienstleister ist die Liegezeit von Retouren bis zur Wiederverfügbarkeit ein zentraler Rentabilitätshebel. Durch schmale Fachkanten und vertikalen Transport via Warenaufzug werden Rückstaus in der Retourenzone vermieden und die Rückführung in den Pick-Bestand beschleunigt.

Schnellüberblick:

Wie hoch ist der durchschnittliche Wegzeitanteil an der gesamten Auftragsabwicklungszeit?

48 % (2024, Quelle S1).

Welcher Kostenanteil entfällt auf die Kommissionierung?

50-70 % der operativen Lagerbetriebskosten (2020, Quelle S2).

Wie hoch ist die Retourenquote im deutschen Online-Handel?

24,1 % (2022, Quelle S3).

Welchen Raumgewinn erzielen Sonderbreiten von 1.210 mm im Vergleich zu 1.300 mm?

Eliminierung von 100 mm Totraum pro Ebene, insgesamt 2,90 m zusätzliche Breite in der HBOD-Anlage.

Wie wirkt sich die Reduzierung der Fachboden-Kantenhöhe von 40 mm auf 25 mm aus?

Sie spart pro Ebene Bauhöhe, ermöglicht zusätzliche Regalebenen ohne Verlust der Handhabungshöhe.

Quellen

Von Anna Weber

Anna ist Spezialistin für digitales Marketing und Markenaufbau im Online-Bereich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Social Media Strategien, Content-Marketing und Influencer-Kooperationen. Ihre Beiträge helfen Unternehmen dabei, ihre Zielgruppe besser zu verstehen und nachhaltig zu wachsen.