Die Otto Group transformiert ihre Lieferketten, indem sie Nvidia-Omniverse-basierte Digital Twins, autonome Robotik und einen herstellerübergreifenden „Robotic Coordination Layer“ an bis zu 120 Standorten einsetzt. Der Fokus liegt dabei nicht mehr ausschließlich auf reiner Geschwindigkeit, sondern auf einer systemischen Synchronisation und lernfähigen Prozessen, die die E-Commerce-Logistik resilienter und adaptiver machen.

Systemische Synchronisation statt reiner Geschwindigkeit

Martin Umland, Group Vice President Supply Chain Management, betont: „Schneller werden war gestern – die eigentliche Herausforderung besteht darin, gesamte Wertströme zu synchronisieren und nicht nur einzelne Prozesse zu beschleunigen.“ Dieser strategische Wandel verschiebt den Schwerpunkt von isolierten Geschwindigkeitssteigerungen hin zu einer ganzheitlichen Daten- und Prozesssteuerung, die in Echtzeit auf Veränderungen reagieren kann.

Digital Twin als Kern der virtuellen Logistik

Der digitale Zwilling bildet ein präzises Abbild der physischen Logistikumgebung und ermöglicht Simulationen zur Optimierung von Prozessabläufen. In Löhne wurde ein Digital Twin mit dem Boston-Dynamics-Roboter Spot erstellt, um realistische Szenarien zu testen.

  • Kooperative Nutzung von Nvidia Omniverse zur Erstellung hochpräziser Digital Twins für die gesamte Logistikprozesskette.
  • Virtuelle und physische Flotten werden automatisch synchronisiert, wodurch Engpässe reduziert und die Arbeitsplanung optimiert wird.
  • Frühzeitige Identifikation von Störungen erhöht die Robustheit der gesamten Lieferkette.

Robotic Coordination Layer – herstellerunabhängige Middleware

Ein zentrales Element ist der „Robotic Coordination Layer“, eine Middleware, die auf Nvidia Omniverse aufsetzt und den gemeinsamen Betrieb stationärer Greiftechnik und mobiler AMR-Systeme verschiedener Marken ermöglicht.

  • Roboterheterogenität im Pilotprojekt: 5 verschiedene Anbieter wurden synchronisiert (Stationäre Greifer und AMR).
  • Die Software-Schicht übernimmt die Orchestrierung heterogener Roboterflotten, unabhängig von Anbieter- oder Technologietypus.
  • Ermöglicht nahtlose Zusammenarbeit von Robotern unterschiedlicher Hersteller.

Praktische Ergebnisse aus dem Pilot in Löhne

Die Pilotphase im Hermes-Fulfillment-Center in Löhne nutzte Reality-Capture-Sensoren und den Spot-Roboter, um die Logistikflächen zu virtualisieren. Nach einer sechswöchigen Testperiode konnten im Januar 2026 etwa 25 % der erwartbaren Engpässe bereits virtuell identifiziert und behoben werden.

  • Engpassvermeidungsgrad durch Digital Twin: ca. 25 % (Januar 2026, Pilotbericht).
  • Roboterhersteller-Vielfalt: 5 verschiedene Anbieter (2026, Löhne-Pilot).
  • Reduktion von Engpässen führt zu einer optimierten Arbeitsplanung und geringeren Auslastungsspitzen.

Langfristige Wirkung auf Lieferkettentransparenz

Durch die kontinuierliche Nutzung von Digital Twins verbessert sich die Prozesskonsistenz. Störungen und Engpässe können frühzeitig erkannt werden, wodurch die gesamte Lieferkette robuster wird.

  • Verbesserte Transparenz ermöglicht proaktive Entscheidungen.
  • Die Plattform fungiert als zentrales Betriebssystem für virtuelle und physische Flotten.
  • Langfristig soll bis 2030 ein Großteil operativer Entscheidungen autonom erfolgen, während Menschen strategische Aufgaben übernehmen.

Risiken und Gegenmaßnahmen

Die Integration heterogener Systeme und Datenquellen birgt Herausforderungen.

  • Komplexität und Kosten: Umfangreiche Schnittstellenentwicklung kann zu Prozessverzögerungen führen.
  • Technisches Risiko durch Abhängigkeit von Nvidia Omniverse: Ein zentraler Abhängigkeitspunkt könnte langfristige Flexibilität beeinflussen.
  • Strategische Risikomanagement-Ansätze und modulare Architektur sollen diese Risiken mindern.

Schnellüberblick:

Was bedeutet ‚Digital Twin‘ in diesem Kontext?

Ein präzises digitales Abbild der physischen Logistikumgebung, das genutzt wird, um Simulationen für optimierte Prozessabläufe durchzuführen.

Warum ist ein ‚Robotic Coordination Layer‘ notwendig?

Durch die Middleware auf Basis von Nvidia Omniverse können Roboter unterschiedlicher Hersteller und Technologien effizient zusammenarbeiten, unabhängig von physischen Einschränkungen.

Quellen

Von Anna Weber

Anna ist Spezialistin für digitales Marketing und Markenaufbau im Online-Bereich. Sie beschäftigt sich intensiv mit Social Media Strategien, Content-Marketing und Influencer-Kooperationen. Ihre Beiträge helfen Unternehmen dabei, ihre Zielgruppe besser zu verstehen und nachhaltig zu wachsen.